Please Enable JavaScript in your Browser to Visit this Site.

top of page

Faktencheck: Eine selbst ernannte Doku gegen Windkraft fordert Ehrlichkeit - Und ist es selbst nicht.

Ein Verein, der sich als Naturschutzverein ausgibt und dabei den menschengemachten Klimawandel leugnet. Ein Film, der sich als Dokumentarfilm bezeichnet und doch beinahe ausschließlich Falschinformationen oder Halbwahrheiten transportiert. Ein inzwischen weit verbreitetes Mittel, Bürgerwut zu befeuern, wo es eigentlich sachliche Debatte bräuchte. Bürgerinitiativen und deren möglicherweise berechtigte Ansinnen werden missbraucht. In zwei Stunden und 39 Minuten erzählt der Film "Wenn der Wind sich dreht", der jetzt mit viel TamTam im Netz gelauncht wurde, die angeblich wahre Geschichte der Energiewende. Und lässt dabei keine Verschwörungstheorie aus. Dafür aber die Belege für vieles, was als Vorwurf formuliert wird. Am Ende schadet dies allen. Vor allem der Demokratie. Wir haben einige der am meist genannten Punkte herausgefiltert, recherchiert und eingeordnet. Warum das alles wichtig ist? Weil die Antiwindlobby gerade versucht, den Film in kleinen Landkinos unterzubringen. Ohne sachliche Einordnung, eine fatale Entscheidung.


von Dirk Neubauer
von Dirk Neubauer

Nichts bleibt aus von dem, was Bürgerwut befeuern kann: Die Range reicht von angeblich korumpierter Politik, Ämtern, die Entscheidungen pro Windkraft "durchprügeln" würden und Unternehmern, die angeblich Gesetze diktierten. Von angeblichen Hinterzimmerentscheidungen ist ebenso die Rede, wie von angeblich in den Wind geschlagenen Gutachten. Nichts wird belegt. Nichts wird nachgefragt. Man redet viel. Jeder darf alles behaupten. Leider viel Halbwahres und Falsches. Manches kennt man von der blauen Partei. Unterlegt mit Bildern eines frei fliegenden Adlers. Es geht um große Gefühle. Um viele Geschichten. Weniger Fakten. Und genau das ist das Problem. Denn: Wenn Emotionen bestimmen, sind Lösungen weit weg.


Eines vorweg. Wir verurteilen keine Bürgerinitiativen. Im Gegenteil. Wir arbeiten viel MIT vielen von ihnen, um konkrete Fragen wirklich zu beantworten und am Ende Ängste zu nehmen und gemeinsam vor Ort Lösungen zu finden. Denn darum gehts es. Lokale Interessen sind wichtig. Aber eben nicht alles. Klimaschutz und Dekarbonisierung sind ein übergeordnetes Ziel, das alle angeht. Und das vor Ort Kompromisse braucht. Das Wir der gesellschaft endet nicht am eigenen Gartenzaun. Gerade auch bei der Frage der Erneuerbaren. Wir brauchen diese. Das ist Fakt. Und ein "ja, aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft" hilft keinem weiter. Denn das gilt für alle Energieformen. Niemand will ein Atomkraftwerk nebenan, ein Endlager oder einen Tagebau vor der Tür. Und wenn wir all diese Bedenken akzeptierten, säßen wir bald mit einem Teelicht in der Höhle. Es geht also darum, die Interessen der gesamten Gesellschaft auszuhandeln. In guten Kompromissen. Denn die sind der Klebstoff, der in einer Demokratie alles zusammenhält. Dass jeder sein Problem zunächst als das wichtigste ansieht, ist menschlich. In sachlicher Debatte Notwendigkeiten aller dabei zu vereinen, ist die Aufgabe.






Und das genau ist das Problem dieses Films. Der Film aber erzählt Geschichten. Mehr nicht. Einseitig, klar gegen Windkraft ausgerichtet. Und das um jeden Preis. Auch um den der Wahrheit. Aufrichtig besorgte Menschen dafür zu benutzen, ohne eine Weg des Kompromisses im Interesse aller anzustreben oder den konkreten Fall wirklich von allen Seiten zu beleuchten. Das ist, was spaltet. Die Tragik: Teilweise sind hier Erzählungen dabei, da hätte ich mir tatsächlich gewünscht, die Autoren dieses Filmes hätten kurz wirklichen Journalismus betrieben. Hätten den Ball aufgenommen. Hätten wirklich recherchiert und und mit den zuständigen Behörden gesprochen. Um Klarheit zu bekommen. Und am Ende denen, die da vor ihrer Kamera standen, wirklich zu helfen. Doch über zweieinhalb Stunden Länge kommt dies nicht ein einziges Mal vor. Lediglich der Hinweis, dass man bei den Parteien im Bundestag mal angefragt habe, aber keiner sich äußern wollte. Was nachvollziehbar ist, denn die Anliegen spielen beinahe allesamt lokal. Und damit in anderen Zuständigkeiten. Das weiß man, wenn man Journalist ist. Und an Wahrheit interessiert. Und wenn man das weiß und diese Wege nicht geht, dann will man auch keine Lösung. Sondern Stimmungen verstärken und erzeugen. Mag sein, dass der eine odere andere Fall, der hier gezeigt wurde, wirklich begründet ist. Doch durch die unterlassene Gegenrecherche bleibt dies im Verborgenen. Und schafft eigentlich nur mehr Frust bei den Beteiligten.


Und so reiht das Werk Halbwahrheiten, Meinungen und offene Lügen gefühlt endlos aneinander. Frei nach dem Motto: Wenn es so viele Leute erzählen, dann wird´s schon wahr sein. Hauptsache, der Inhalt bedient die Angst vor und die Ablehnung von Windkraftanlagen. Untermauert mit fadenscheinigen Quellen, die die Wissenschaft längst und mehrfach widerlegt hat. Emotion punktet und produziert Spenden und Klicks. Wahrheiten hingegen, die diese Gefühle in Frage stellen, nicht.



Die Lage in einem Bild (KI)
Die Lage in einem Bild (KI)

Uns geht es nicht so sehr um Emotionen. Uns geht es um Fakten. Warum? Weil solche Erzählungen, die verschwörerisch vom angeblichen großen Energiebetrug erzählen wollen. Die die Bürger als hilflose Opfer und die wirklich strengen Genehmigungsverfahren als harmloses Placebo und Politiker als geldgierige Korrupte pauschal framen, tatsächlich der Demokratie schaden. Und damit eigentlich genau das tun, was die Macher den Politikern, Investoren und staatlichen Stellen unterstellen: Eine pauschale Verunglimpfung des "Gegners" in Stammtischmanier.


Man schafft alternative "Wahrheiten", Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und eine Erzählung von einer verhassten Politik, die ja angeblich sowieso "alle" nicht mehr wollen. Man müsse ja nur endlich "aufwachen". Die Legendes des Deep State, des Staates im Staate, der eigene Regeln verfolgt und nicht kontrollierbar ist, wird hier bemüht. Menschen glauben dies gern. Warum? Weil es sie aus der Verantwortung nimmt. Weil es Gemeinschaft bedeutet. Weil man seine Positionen gerne bestätigt sieht, sich nicht mit all diesen komplexen Fragen wirklich auseiandersetzen will. Weil man Angst vor dem Klimawandel hat. Und davor, nichts tun zu können. Und deshalb diesen lieber verdrängt und negiert. Weil man sich von Politik alleingelassen fühlte, die letzten 20 Jahre. Oder weil man Windkraftanlagen nicht will, nicht mag oder tatsächlich wirklich Angst vor ihnen hat. Punkt. Die Motivlagen sind vielfältig. Und sie sind in diesen politischen Gemengetagen wertvoll. Vor allem für jene, die sich etablieren wollen. Kein Wunder also, dass Teile der Antiwindkraftlobby verankert ist in AfD und Verschwörungskreisen. Meist bei Parteien, die von schlechter Stimmung leben.


Wir haben uns deshalb den Film angesehen und den Faktencheck gemacht. Das Ergebnis: Der Streifen ist eine Mischung aus negierten Fakten, geschickt genutzten Halbwahrheiten und - leider ja - auch offenen Lügen. Zwei Stunden 39 Minuten Erzählung teils realer Ängste von Menschen. Leider aber ohne jegliche Recherche und Gegenfragen bei Ämtern, Kommunen und Behörden. So werden die vielleicht teils berechtigten Sorgen benutzt, um Angst zu schüren und Stimmung zu machen. Nicht, um Antworten zu geben. Das hilft den begründet Besorgten nicht. Und zeigt, dass es dem organisierten Widerstand nicht wirklich um eine Lösung geht. Außer der, den gesamten Ausbau zu stoppen. Dabei scheint jedes Mittel Recht. Gebogene Physik. Falsche Daten. Personen, die mit ihrer Expertise dies alles scheinbar untermauern. Auch, wenn deren Thesen längst wissenschaftlich widerlegt worden sind. Das hilft am Ende nur denen, die Zwietracht wollen. Die aus Wut ihre Kraft ziehen. Und am Ende muß man sich die Frage stellen, ob diese Debatte nicht mehr ist, als eine Projektionsfläche für alles, was wirklich schief läuft im Land.


Am Ende widerspricht sich der Film in sich an so viele Stellen selbst, dass man gar nicht nachkommt. Die einen wollen "weniger ist mehr". Andere reden von nötigem Wachstum. Notfalls atomar oder fossil befeuert. Aufgelöst wird dies nicht. Das ist ein bissschen billig. Denn: Politik muss genau diese schwierigen Diskepanzen austarieren und zusammenbringen. Der Film entzieht sich dieser Verantwortung. So bleibt vor allem der kleinste gemeinsame Nenner: Politik ist korrupt und gegen uns. Windkraft ist unnütz, umweltschädlich und wirtschaftlich. Alles ist eine große Verschwörung. Und nur wir, die dagegen sind, sind die Guten. Und irgendwie bleibt der Eindruck, dass genau dies das Ziel ist.


Wir haben den Film gesehen, transkribiert und digital ausgewertet. Alles ist nachvollziehbar. Unsere Quellen für unseer Argumentation sind beigefügt und können geprüft werden. Wir haben bewusst auf personelle Einordnungen verzichtet, weil dies erfahrungsgemäß sofort die gesamte Recherche in Frage stellt. Fakt ist: Die Bewegung ist im Kern mit extremen Parteien verbunden. Führende Köpfe einiger Vereinsstrukturen, die hinter dieser Kampagne stehen, fungierten bereits häufiger als "Sachverständige" im Auftrag der AfD bei Anhörungen oder sind selbst auf dem Ticket der Partei in einem Wahlamt. Auch das sollte man wissen, glauben wir. Vor allem, wenn es einem wirklich um die Sache geht. Dann ist wichtig zu wissen, wer von was profitiert. Auch kommen hier Menschen zu Wort, deren Publikationen und Aussagen längst von Wissenschaft widerlegt sind. Auch das ist Fakt. Wir reduzieren uns nur auf die Aussagen an sich.


Nun zu den Inhalten:


Eine fundierte Analyse dieses Filmes erforderte eine zweistufige Vorgehensweise: Zunächst haben wir die in der "Dokumentation" vorgebrachten Kritikpunkte systematisch kategorisiert und nach der Häufigkeit, sowie der Intensität ihrer Nennung geordnet. Anschließend wurde jeder Kritikpunkt auf Basis einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur, behördlicher Berichte (unter anderem des Umweltbundesamtes, des Bundesamtes für Naturschutz, der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt) sowie der geltenden Rechtslage empirisch und juristisch überprüft3. Dann wird geschrieben.


Häufigkeitsranking der Kritikpunkte aus dem Quellenmaterial


Die quantitative und thematische Erfassung der Stichworte im untersuchten Material zeigt eine deutliche Schwerpunktsetzung der Windkraftgegner1. Im Vordergrund stehen gesundheitliche Befürchtungen durch Infraschall sowie Bedenken hinsichtlich des Artenschutzes, der Biotope und des Insektensterbens1. Dahinter folgen stoffliche Umweltbelastungen durch Rotorblattabrieb, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) betreffende ökonomische Kritikpunkte, hydrogeologische Befürchtungen sowie Fragen zum Rückbau und zur demokratischen Teilhabe1. Wir haben zunächst die wesentlichsten Punkte in der Tabelle erfasst. Anschließen werden diese ausführlich ausgeführt.


Rang

Kritikthema

Kernthesen im Film

Nennungen (Intensität)

Wissenschaftliche & Rechtliche Bewertung

1

Infraschall & Gesundheit

Unhörbarer Tieffrequenzschall verursacht Tinnitus, Schlafstörungen, Organschäden, Herzerkrankungen und zellulären Stress1.

Sehr hoch (~18 Passagen)

Überwiegend Falsch: Schallemissionen liegen unter der Wahrnehmungs-schwelle; Beschwerden sind primär durch Nocebo-Effekte und Stress erklärbar3.

2

Artenschutz, Fauna & Flora

Massenhafter Tod von Greifvögeln und Fledermäusen; tödliche Barriere für Fluginsekten; Zerstörung maritimer Habitate1.

Sehr hoch (~16 Passagen)

Teilweise Wahr / Überwiegend Irreführend: Vogelschlag existiert, ist aber gering im Vergleich zu anderen Ursachen; DLR-Insektenstudie fehlerhaft6.

3

Chemische Emissionen & Abrieb

Tonnenweiser Abrieb von GFK/CFK, Freisetzung toxischer PFAS-Chemikalien und krebserregendem Bisphenol A (BPA)1.

Hoch (~12 Passagen)

Faktisch Falsch / Überwiegend Irreführend: Abriebmengen stark überhöht dargestellt; BPA chemisch fest gebunden; PFAS-Anteil gering9.

4

EEG-Ökonomie & Subventionen

Bereicherung von Investoren, Vergütung von nicht eingespeistem Strom, Treiber hoher Strompreise, Parteien-Lobbyismus1.

Hoch (~11 Passagen)

Teilweise Wahr / Falsch: Systemische Fehlanreize und Abregelungskosten existieren; Korruptions- und Beteiligungsquoten unbelegt1.

5

Physik & Systemleistung

Geringe Leistungsdichte, Betz’sches Gesetz ignoriert, Ineffizienz von Power-to-Gas, Unzuverlässigkeit von Flatterstrom1.

Mittel-Hoch (~9 Passagen)

Überwiegend Irreführend: Betz’sches Limit physikalisch falsch dargestellt; Volatilität real, aber technologisch adressierbar13.

6

Hydrogeologie & Wasserschutz

Zerstörung von Karst- und Moorböden, Versickerung von Beton, Austrocknung und Versiegung von Trinkwasserquellen1.

Mittel (~8 Passagen)

Teilweise Wahr: Standortspezifische Risiken bei Karst/Moor vorhanden, werden aber im Einzelgenehmigungsver-fahren geprüft11.

7

Landschaft & Demokratie-defizite

Zerstörung von Kulturlandschaften, Entwertung von Immobilien, Aushebelung von Bürgerrechten durch Beschleunigungsgesetze1.

Mittel (~6 Passagen)

Subjektiv / Teilweise Wahr: Rechtliche Beschleunigung schränkt Einwände ein; Landschaftsveränderung ist reale Wahrnehmung1.

8

Rückbau & Recycling

Fundamente verbleiben im Boden, Rotorblätter sind unrecyclbarer Sondermüll, Ewigkeitslasten für Landwirte1.

Mittel (~6 Passagen)

Überwiegend Falsch: Rechtliche Rückbaupflicht nach § 35 BauGB inkl. Bürgschaft ist zwingend; Recyclingquote liegt bei über 80–90 %11.


Eingehende Überprüfung und Bewertung der einzelnen Kritikpunkte



1. Infraschall und gesundheitliche Beeinträchtigungen


Im Film nimmt die Furcht vor gesundheitlichen Schäden durch schallinduzierte Schwingungen eine zentrale Rolle ein1. Es wird vorgebracht, dass Windenergieanlagen kontinuierlich unhörbaren Infraschall mit Frequenzen unterhalb von 20 Hz emittieren1. Dieser durchdringe Wände und Dächer ungehindert, sodass in Wohngebäuden kein Schutz bestehe1. Als Folgen werden Tinnitus, Schlafstörungen, sichtbare Gesichtsschwellungen, Konzentrationsschwächen, Schäden an Herzmuskelgewebe sowie Beeinträchtigungen der Mikrozirkulation bei Mensch und Tier genannt1.


Die Behauptungen zur gesundheitsgefährdenden Wirkung von Infraschall durch Windkraftanlagen widersprechen jedoch dem breiten wissenschaftlichen Konsens3. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) haben umfassende Schallemissionsprojekte an Windenergieanlagen durchgeführt3. Sämtliche Messergebnisse belegen übereinstimmend, dass der von Windkraftanlagen erzeugte Infraschall bereits in Abständen von 150 m bis 300 m deutlich unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegt3. In Entfernungen von über 700 m bis 1.000 m ist der Infraschallpegel einer Windkraftanlage messtechnisch nicht mehr vom Hintergrund-Grundrauschen des Windes oder des Straßenverkehrs zu unterscheiden9.


In vitro durchgeführte Zellstudien oder Versuche an isoliertem Herzgewebe arbeiteten mit künstlich erzeugten Schalldruckpegeln von oft über 90 bis 100 dB, wie sie im Umfeld realer Wohnbebauungen an Onshore-Windparks niemals auftreten3. Das Technische Forschungszentrum Finnland (VTT) führte in Zusammenarbeit mit dem Finnischen Institut für Gesundheit und Soziales eine langjährige Untersuchung durch, die Befragungen, Langzeitmessungen und Doppelblind-Hörversuche umfasste8. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Infraschall aus Windkraftanlagen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Symptome bei Anwohnern verursacht8.


Dass Betroffene nach der Errichtung von Windrädern dennoch reale körperliche Symptome wie Schlafstörungen oder Herzrasen entwickeln, wird in der Forschung primär auf den Nocebo-Effekt zurückgeführt3. Die intensive Beschäftigung mit vermeintlichen Gefahren, die Sorge vor Wertverlusten von Eigentum sowie eine negative Erwartungshaltung führen nachweislich zu chronischen Stressreaktionen, welche die beschriebenen Beschwerden auslösen können3. Die ständige Beschäftigung mit vermeintlichen Gefahren und die von Initiativen geschürte Angst erzeugen chronischen Stress, der tatsächlich körperliche Symptome hervorruft. Der Infraschall selbst ist dafür nachweislich nicht die Ursache.


Zu diesem Komplex gehört auch die jahrelang von Windkraftgegnern zitierte Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die angeblich hohe Infraschallpegel nachgewiesen hatte. Die Behörde musste 2021 einräumen, dass ihrer Berechnung ein drastischer Rechenfehler unterlaufen war: Der Schalldruckpegel war um das 4000-Fache zu hoch angesetzt worden. Nach der Korrektur bestätigte sich erneut das Bild einer vernachlässigbaren Belastung.


Und ganz nebenbei: In einem Auto bei 100 km/h sind wir einem Hundertfachen dieses Infraschalls ausgesetzt, den wir - wenn überhaupt - durch eine Windkraftanlage erfahren.



Bewertung des Wahrheitsgehalts: Überwiegend Falsch. 


Die Behauptung, unterschwelliger Infraschall von Windkraftanlagen verursuche direkte organische oder zelluläre Schäden beim Menschen, ist wissenschaftlich nicht haltbar3. Die auftretenden Beschwerden beruhen auf komplexen Nocebo-Mechanismen und Stressreaktionen durch hörbare Geräusche oder Sorgen3.



2. Chemische Umweltbelastung durch Rotorblattabrieb (PFAS, Bisphenol A, Mikroplastik)


Ein weiterer, immer wieder gebetsmühlenartig wiederholte Hauptkritikpunkt betrifft die angebliche stoffliche Kontamination der Umwelt durch den Abrieb der Rotorblätter1. Aufgrund hoher Spitzengeschwindigkeiten an den Flügelenden (angeblich 300 bis 400 km/h) komme es durch Hagel, Regen und Partikel zu starker Erosion1. Im Film wird behauptet, dass pro Anlage und Jahr zwischen 90 kg und 150 kg Material abgetragen werden1. Dieses Mikroplastik enthalte Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sowie krebserregendes, leberschädigendes Bisphenol A (BPA) aus den Epoxidharzen1. Diese Substanzen gelangten über den Boden in Kulturpflanzen, Weidetiere und schließlich in das Trinkwasser1.


Diese Schreckensszenarien sind falsch und basieren auf drastisch überhöhten Mengenangaben und chemischen Fehlinterpretationen9.


Eine Worst-Case-Kalkulation des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2020 bezifferte den theoretisch maximal denkbaren Abrieb bei älteren Anlagen auf rund 45 kg pro Anlage und Jahr9. Realitätsnahe Untersuchungen des Bundesverbands WindEnergie (BWE) sowie neuerer Fachstudien zeigen jedoch, dass der tatsächliche Materialverlust bei modernen Erosionsschutzbeschichtungen bei lediglich 2,1 kg bis 3 kg pro Anlage und Jahr liegt9.


Für den gesamten deutschen Windkraftanlagenbestand von rund 30.000 Anlagen ergibt sich ein jährlicher Abrieb von etwa 80 bis 90 Tonnen9.



Schadstoff- / Eintragsquelle

Jährliche Emissionsmenge in Deutschland

Primäre Inhaltsstoffe / Wirkungscharakter

Autoreifenabrieb (Straßenverkehr)

ca. 98.000 – 102.000 Tonnen / Jahr9

Kautschuk, Synthesekautschuk, Ruß, Schwermetalle1

Schuhsohlenabrieb (Fußverkehr)

ca. 8.700 – 9.000 Tonnen / Jahr9

Synthetische Polymere, Elastomere, Weichmacher11

Rotorblattabrieb (Windenergie)

ca. 80 – 90 Tonnen / Jahr (realistisch ~90 t/a)9

Polyurethan, ausgehärtetes Epoxidharz, Glasfasern9


Der stoffliche Vergleich verdeutlicht, dass der Abrieb von Rotorblättern einen verschwindend geringen Anteil am gesamten Mikroplastikeintrag darstellt9.


Zudem ist die chemische Behauptung bezüglich Bisphenol A wissenschaftlich unzutreffend11. BPA wird bei der Herstellung von Epoxidharzen als reaktiver Baustein verwendet11. Während der Aushärtung (Polymerisation) verknüpft sich das BPA vollständig in einer festen, hochmolekularen Polymerstruktur11. Im ausgehärteten Rotorblatt liegt kein freies, wasserlösliches BPA mehr in relevanten Mengen vor11. Die äußere Deckschicht der Blätter besteht zudem überwiegend aus BPA-freiem Polyurethan9.


Hinsichtlich der PFAS-Chemikalien werden fluorierte Polymere in sehr geringen Mengen für spezialisierte Vorderkanten-Schutzfolien genutzt, um den mechanischen Verschleiß zu minimieren9. Der Anteil des gesamten Energiesektors an den EU-weiten PFAS-Emissionen liegt bei lediglich 0,07 %9. Führende Hersteller setzen zudem zunehmend auf PFAS-freie Alternativen20.


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Faktisch falsch und irreführend. 


Die im Video genannten Abriebmengen sind um bis zu das Fünfzigfache überhöht1. Eine Trinkwasser- oder Nahrungsmittelkontamination durch toxisches BPA oder PFAS aus Rotorblättern ist aufgrund der festen chemischen Einbindung und der geringen Mengen ausgeschlossen9.


Und ergänzent dazu: Kein Besitzer einer solchen Anlage möchte, dass diese sich langsam in Luft auflöst. Deshalb werden die Flügel auch regelmäßig kontrolliert und gewartet.



3. Ökologische Folgen, Artenschutz und Insektensterben


Die "Doku" erhebt schwere Bedenken bezüglich der Auswirkungen der Onshore- und Offshore-Windenergie auf die biologische Vielfalt1. Windturbinen seien Todesfallen für geschützte Greifvögel wie Rotmilane, Seeadler und Baumpfalken sowie für Fledermäuse1. Unter Berufung auf eine DLR-Studie von Dr. Franz Trieb wird behauptet, dass Windräder jährlich etwa 1.200 Tonnen Fluginsekten vernichteten und damit eine Hauptursache des weltweiten Insektensterbens seien1. Offshore-Anlagen würden durch Unterwasserschall zudem Wale vertreiben und deren Gehör schädigen1.


Die Bewertung der ökologischen Auswirkungen erfordert eine Differenzierung zwischen realen standortbezogenen Artenschutzkonflikten und methodisch widerlegten Pauschalbehauptungen6:


Vogelschlag und Fledermauskollisionen an Windkraftanlagen sind empirisch belegt11. Grobe Hochrechnungen gehen von rund 150 bis 200.000 getöteten Vögeln pro Jahr in Deutschland aus, wobei insbesondere Mäusebussarde und Rotmilane betroffen sind20.


Um diese Zahl in einen Kontext zu setzen: Durch Kollisionen an Glasscheiben sterben in Deutschland jährlich schätzungsweise über 100 Millionen Vögel, durch den Straßen- und Schienenverkehr über 70 Millionen und durch Hauskatzen ebenfalls zweistellige Millionenbeträge6.


Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor der Baugenehmigung eines Windparks strenge Artenschutzprüfungen vor11. Moderne Anlagen werden zudem mit radar- oder kameragestützten Antikollisionssystemen ausgestattet, die das Windrad bei Annäherung von Großvögeln automatisch verlangsamen, sowie mit Abschaltalgorithmen für Fledermäuse in Zeiten hohen Insektenflugs11.

Viele Anlagen werden inzwischen auch mit klaren Abschaltzeiten belegt. Nämlich dann, wen der Artenschutz dieses verlangt. So werden beispielsweise Fledermäuse geschützt.


Die im Film zitierte DLR-Studie von Franz Trieb zum Insektensterben beruht rein auf theoretischen Modellrechnungen und vereinfachten Hochrechnungen6. Sowohl das Bundesamt für Naturschutz (BfN) als auch das Umweltbundesamt (UBA) haben diese Studie aufgrund schwerwiegender methodischer Mängel zurückgewiesen6. Das BfN stellte explizit fest, dass die zitierten Daten keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem allgemeinen Insektenrückgang belegen6.


Die wissenschaftlich nachgewiesenen Hauptursachen des Insektensterbens sind die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden sowie der Verlust natürlicher Lebensräume6. Letzteres wird durch den Klimawandel maßgeblich befördert. der wiederum wird vom CO2 befeuert, das wir in der Energieerzeugung ausstoßen. Im Gigatonnen-Bereich.


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Teilweise wahr, bezüglich des Insektensterbens überwiegend falsch und irreführend. 


Während Schlageffekte auf Vögel und Fledermäuse reale Risiken darstellen, die durch gesetzliche Auflagen minimiert werden müssen, ist die Behauptung, Windräder seien eine Hauptursache des Insektensterbens, wissenschaftlich widerlegt6.




4. Physikalisch-technische Systemleistung und Wirkungsgrade


ZUr Physik: Auf diser Ebene wird behauptet, dass eine Energiewende mit Windkraft aus naturwissenschaftlichen Gründen unmöglich sei1. Das Betz’sche Gesetz erlaube es Windrädern bestenfalls, 48 % der kinetischen Energie dem Wind zu entnehmen1. Da die Windleistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit abfalle, breche die Leistung bei schwachem Wind drastisch ein1. Die Leistungsdichte sei so gering, dass pro Quadratmeter Rotorfläche im Mittel nur die Leistung einer Glühlampe generiert werden könne1. Eine Wasserstoffspeicherung (Power-to-Gas) scheitere zudem am Carnot-Wirkungsgrad, sodass von 5 Euro Strom am Ende nur 1 Euro Nutznutzen übrig bleibe1.


Diese Argumentation verzerrt physikalische Grundbegriffe und unterschlägt den aktuellen Stand der Ingenieurwissenschaften13:


Das Betz’sche Gesetz, 1919 von Albert Betz formuliert, besagt, dass eine Windkraftanlage dem unbegrenzten Windstrom theoretisch maximal 59,3 %  seiner kinetischen Energie entziehen kann13. Die im Quellenmaterial genannte Zahl von 48 % als physikalisches Maximum ist schlicht falsch1. Moderne Großwindkraftanlagen erreichen im optimalen Betriebspunkt aerodynamische Gütegrade von 40 % bis 50 % und nutzen das theoretische Limit damit hocheffizient aus14. Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerk kommt auf 38%. Gaskraftwerke sschließen noch schlechter ab. Vom Verbrennungsmotor im Auto ganz zu schweigen.


Die Abhängigkeit der Leistung von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ist eine fundamentale physikalische Realität. Aus genau diesem Grund werden moderne Nabenhöhen auf 160 bis 180 Meter gesteigert, wo stetigere und deutlich höhere Windgeschwindigkeiten vorherrschen. Die Polemik des „Glühlampen-Ertrags“ übersieht, dass eine moderne 6- bis 7-Megawatt-Onshore-Anlage Jahresstromerträge von 15 bis 20 Millionen Kilowattstunden erzielt, was dem Jahresbedarf von 4.000 bis 5.000 Haushalten entspricht9.


Hinsichtlich der Wasserstoffspeicherung weist die Umwandlung von Strom in Wasserstoff via Elektrolyse und die spätere Rückverstromung in Gasturbinen tatsächlich einen Gesamtwirkungsgrad von derzeit etwa 35 % bis 40 % auf. Dies ist jedoch kein Mangel des Windrades, sondern eine thermodynamische Eigenschaft chemischer Energiespeicher. Um Zeiten der Dunkelflaute zu überbrücken, ist dieser Umwandlungsverlust im Gesamtsystem einkalkuliert und wird durch den Ausbau von Direktnutzung (Wärmepumpen, Elektromobilität) und Batteriewirkungsgraden (>90 %) ergänzt. Außerdem wird dafür künftig Strom verwendet, der eigentlich durch Abschaltung nicht erzeugt worden wäre. Dieser, der so genannte Redispatch-Strom, ist dann deutlich günstiger und verschiebt die Wirtschaftlichkeit deutlich in positivere Bereiche. Vor allem bei der Wärmeerzeugung über Wärmepumpen.


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Überwiegend falsch und irreführend. 


Die getroffenen Aussagen bezüglich der physikalischen Leistungsgrenzen enthalten grundlegende wissenschaftliche Fehler1. Die Behauptung, ein Industrieland könne nicht mit Erneuerbaren Energien betrieben werden, ignoriert das Zusammenspiel aus Wind, Photovoltaik, Netzkraft und Speichertechnologien.



5. Hydrogeologie, Trinkwasserschutz und Baugrund im Wald


Auch die Thesen zur angeblichen Verseuchung und Zerstörung des Grundwassers, der Quellen und von Karst- oder Moorgebieten halten einer juristischen und hydrogeologischen Prüfung nicht stand. Windkraftkritiker behaupten, dass tief in den Boden gerammte Betonfundamente Quellhorizonte zerstören, Karstgebiete auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald dauerhaft schädigen und der Bau in Hochmooren wie der Hornisgrinde katastrophale Folgen für den Wasserspeicher habe. In der Realität gelten in Deutschland strengste hydrogeologische Auflagen. In Wasserschutzgebieten der Kategorien eins und zwei ist der Bau von Windkraftanlagen ausnahmslos verboten, und auch in der Zone drei werden strengste Eignungsprüfungen durchgeführt. Karstgebiete werden vor einer Genehmigung durch detaillierte Baugrund- und Hydrogutachten analysiert, um sicherzustellen, dass keine unterirdischen Wasserläufe unterbrochen werden. Ein Betonfundament wirkt physikalisch wie ein kompakter Felsblock im Untergrund und gibt keinerlei Schadstoffe an das Grundwasser ab, da der verwendete Spezialbeton chemisch träge und wasserundurchlässig ist.


Dennoch wird im Film behauptet, dass tiefe Schwerbeton-Fundamente (angeblich bis zu 25 Meter tief) den Baugrund verdichten, unterirdische Karstsysteme zerstören, Quellhorizonte versiegen lassen und durch Schmierstoffe, Betonschlämme oder PFAS das Grund- und Trinkwasser dauerhaft verseuchen1.


Hydrogeologische Risiken müssen im Rahmen der Standortauswahl strikt bewertet werden, werden im Film jedoch pauschalisiert und technisch ungenau dargestellt11: Flachgründungen von Onshore-Windkraftanlagen besitzen typischerweise eine Tiefe von lediglich 3 bis 5 Metern bei einem Durchmesser von 20 bis 25 Metern11. Tiefengründungen mittels Pfählen (bis zu 15 bis 20 Meter) kommen ausschließlich bei extrem weichen Baugrundverhältnissen zum Einsatz16. Gemäß den Wassergesetzen der Länder sind Trinkwasserschutzzonen der Kategorien I und II sowie Kernzonen von Naturschutzgebieten für die Windenergienutzung rechtlich strikt gesperrt11.


In verkarsteten Gebieten wie der Schwäbischen Alb können Klüfte und Dolinen im Untergrund tatsächliche hydrogeologische Herausforderungen darstellen1. Aus diesem Grund verlangen die Genehmigungsbehörden im BImSchG-Verfahren im Einzelfall hydrogeologische Gutachten. Wird nachgewiesen, dass ein Bauvorhaben Grundwasserleiter nachhaltig beeinträchtigen oder Trinkwasserquellen gefährden könnte, darf keine Baugenehmigung erteilt werden11. Bezogen auf diue Story im Film heißt das: Nicht jedes Eignungs-Gebiet, das ausgewiesen worden ist, übersteht die strengen Genehmigungsverfahren.


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Teilweise wahr. 


Standortspezifische Risiken für Grund- und Quellwasser existieren bei unsachgemäßer Baugrundvorbereitung in Karst- oder Moorflächen tatsächlich1. Die Darstellung, der Bau von Windrädern führe flächendeckend zur Zerstörung des Trinkwassers, ist jedoch falsch, da sensible Schutzzonen gesetzlich ausgeschlossen sind und strikte wasserrechtliche Prüfungen greifen11.




6. Ökonomie, EEG-Förderung, Netzanschluss und Korruptionsvorwürfe


Bei diesem Punkt gleitet das Ganze endgültig ins Nirvana ab. Auf ökonomischer und politischer Ebene wird behauptet, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei ein Selbstbedienungsinstrument für Investoren1. Es erlaube Betreibern, garantierte Vergütungen für nicht eingespeisten, „fiktiven Strom“ einzustreichen, selbst wenn die Anlagen mangels Netzanbindung stillstehen1. Es wird unterstellt, dass Anlagen bis zu zehn Jahre lang ohne Netzanschluss gewinnbringend betrieben werden könnten1. Zudem wird behauptet, 70 % aller Bundestagsabgeordneten hielten persönliche Anteile an Windenergieanlagen und betrieben daher gezielten Lobbyismus gegen die Bevölkerung1.


Das sind glatte und sehr dreiste Lüge, die durch nichts belegt sind.


Das System der EEG-Einspeisevergütung und des Netzmanagements wird zudem im Film fehlerhaft wiedergegeben1: Denn nur, wenn Windkraftanlagen bei regionalen Netzengpässen durch den Übertragungsnetzbetreiber abgeregelt werden (Redispatch), erhalten Betreiber einen gesetzlichen Entschädigungsanspruch1. Dieser entschädigt für entgangene Einnahmen, da der Anlagenbetreiber seine Einspeisepflicht nicht eigenverschuldet verletzen kann. Dies dient dem Investitionsschutz. Die Behauptung, Anlagen würden Jahre ohne Netzanschluss gebaut und kassierten ohne Stromlieferung Fördergelder, verstößt gegen das Gesetz un dist falsch, denn: Baugenehmigungen und Einspeisezusagen sind an feste Realisierungsfristen gebunden.


Die Behauptung, dass 70 % der Bundestagsabgeordneten persönliche finanzielle Anteile an Windparks besitzen, ist eine frei erfundene Falschbehauptung ohne empirischen Beleg. Wir jedoch haben recherchiert. Von den derzeit 630 Abgeordneten deklarieren rund 230 Abgeordnete Nebenverdienste.  

Am höchsten ist der Anteil bezahlter Nebentätigkeiten in der Union (rund die Hälfte der Mandatsträger), gefolgt von der AfD sowie den Grünen (jeweils knapp unter 40 %).  Bei den meisten handelt es sich um Einnahmen aus selbstständiger oder freiberuflicher Arbeit (z. B. Rechtsanwälte, Landwirte, Steuerberater), Gewinnausschüttungen aus Unternehmensbeteiligungen, Mieteinnahmen oder Honorare für Vorträge und Buchveröffentlichungen. Der Anteil der Abgeordneten, die direkt finanzielle Verbindungen zu Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien haben, ist sehr gering und bewegt sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich (einzelne Personen, keineswegs eine zweistellige Prozentzahl).


Die finanziellen Lasten des EEG wurden zwar historisch über die Stromkunden abgewickelt, werden jedoch inzwischen direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert20. Höhere Netzentgelte entstehen vor allem durch die Verzugskosten beim Stromnetzausbau und Redispatch-Maßnahmen. Alle Anlagen, die in der Zukunft gebat werden, werden zunehmendweniger bisnkeine Förderung mehr erfahren. Der höchste Anteil der EEG-Koste stammt also aus Altverträgen und baut sich darum jährlich ab. Am Ende auch hier eine relevante Zahl: Während wir in diesem Land jedes Jahr für knapp 80 Milliarden Euro fossile Brennstoffe kaufen, die wir dann tatsächlich verbrennen, brauch das EEG knapp ein Viertel dieses Geldes. Dafür wird eine Infrastruktur geschaffen, die im Schnitt 20 bis 25 Jahre Strom erzeugt. Der nach 18 Monaten Laufzeit einer Ablage im übrigen komplett CO2-neutral produziert ist.


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Eindeutig falsch. Bezogen auf die Politik eindeutig und bewusst gelogen.




7. Rückbau, Recycling und Beschleunigungsgesetzgebung


Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den angeblich unvollständigen Rückbau von Windenergieanlagen1. Die riesigen Betonfundamente verblieben nach Ablauf der Betriebszeit im Boden, da nur die obersten 80 cm abgegraben würden, was zu dauerhaften Schädungen von Forst- und Agrarflächen führe1. Zudem seien die Faserverbundwerkstoffe der Rotorblätter unrecyclbarer Sondermüll1. Auf rechtlicher Ebene wird kritisiert, dass durch Gesetzesnovellen wie das Osterpaket, das Wind-an-Land-Gesetz und die Gemeindeöffnungsklausel Umweltverträglichkeitsprüfungen, Artenschutzbestimmungen und Mitbestimmungsrechte der Bürger ausgehebelt worden seien1.


Rechtliche Vorgaben stellen klare Regeln für den Rückbau auf, während das Faser-Recycling Gegenstand des industriellen Fortschritts ist9:

Gemäß § 35 Abs. 5 Satz 2 Baugesetzbuch (BauGB) ist die Abgabe einer rechtlich bindenden Verpflichtungserklärung, das Vorhaben nach dauerhafter Aufgabe der Nutzung vollständig zurückzubauen und Bodenversiegelungen zu beseitigen, eine zwingende Zulässigkeitsvoraussetzung16. Um Insolvenzrisiken der Betreiber abzusichern, verlangen die Genehmigungsbehörden vor Baubeginn nach § 35 Abs. 5 Satz 3 BauGB zwingend eine Bankbürgschaft oder Sicherheitsleistung für die gesamten geschätzten Rückbaukosten7.


Verbleibe von Tiefenfundamenten im Boden sind rechtlich die Ausnahme und werden nur dann erwogen, wenn der vollständige Rückbau von Pfahlgründungen hydrogeologisch schädlicher wäre als das Belassen in der Tiefe16. Und das ist sehr selten un dbei weitem eher eine Ausnahme. In der Regel wird vollständig zurückgebaut.


Über 80 % bis 90 % der Gesamtmasse einer Windkraftanlage (Stahlmast, Betonfundament, Kupferkabel, Getriebe) lassen sich problemlos im bestehenden Rohstoffkreislauf recyceln9. Die Entsorgung der Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) stellt eine werkstoffliche Herausforderung dar, ist aber gelöst: Sie werden zerkleinert und in der Zementindustrie als thermischer Brennstoff- und zugleich mineralischer Rohstoffersatz (Co-Processing) genutzt9. Führende Hersteller setzen zudem bereits vollständig recycelbare Harzsysteme ein20. Bedeutet: Aus alten Flügeln werden neue.


Das Osterpaket und das Wind-an-Land-Gesetz haben das öffentliche Interesse an Erneuerbaren Energien gesetzlich als überragend eingestuft, um Genehmigungsverfahren zu verkürzen. Dies führt zwar zu einer Straffung von Umweltprüfungen und Einschränkung von Klagemöglichkeiten, setzt das Bundesnaturschutzgesetz oder das Wasserrecht jedoch keineswegs außer Kraft11. Die Gemeindeöffnungsklausel ermöglicht es Kommunen zudem, von sich aus Flächen für Windenergie auszuweisen. Aber auch hier greifen die vollen gesetzlichen Rahmen. Der Eindruck, jeder können hier irgendwas machen, ist eindeutig falsch!


Bewertung des Wahrheitsgehalts: Überwiegend Falsch bezüglich des Rückbaus; Teilweise Wahr bezüglich rechtlicher Verfahrensbeschleunigungen. 


Die Behauptung, Fundamente verblieben generell im Boden und Betreiber entzögen sich der Rückbaupflicht, widerspricht den Vorgaben des § 35 BauGB und den hinterlegten Bürgschaften7. Die Frustration der Bürger über verkürzte Beteiligungsfristen spiegelt die reale rechtliche Beschleunigungspolitik des Bundes wider. Dennoch sind die Zeiträume ausreichend, was viele bürgerbeteiligte Projekte schon belegt haben. Gerade die regionalen Planungsverbände, die die Hoheit bei der Ausweisung der Vorranggebiete haben, beteiligen intensiv und mit langen Vorläufen. In der Regel sogar mit Vorortverandstaltungen, die den Bürgern erklären, wie man Einwände richtig formuliert und platziert. Hier passiert nichts im Hinterzimmer.



FAZIT


Die wissenschaftliche Gegenüberstellung der vorgebrachten Kritikpunkte aus der Dokumentation „Wenn der Wind sich dreht“ offenbart ein deutliches Gefälle zwischen gefühlten Risiken lokaler Initiativen und empirisch belegten, realen Umständen. Während punktuelle Interessenkonflikte – etwa bezüglich des lokalen Landschaftsbildes, lokaler Lärmbelastungen oder standortspezifischer Artenschutzfragen – reale Herausforderungen darstellen, die aber in klaren und transparenten Genemigungsverfahren geprüft werden, basieren die im Film formulierten Hauptthesen weitgehend auf Falschinformationen, wissenschaftlich fehlerhaften Annahmen und verzerrten Mengenangaben1.


Schließlich erreichte die Argumentation mancher Windkraftgegner am Ende des Films in das Feld der reinen Esoterik und Pseudowissenschaftab. Ein Winzer behauptet vor der Kamera, dass Windräder dem Umland die Naturenergie entziehen, wodurch die Bovis-Einheiten – eine Messgröße aus der Wünschelruten-"Wissenschaft" – von 15.000 auf 3.000 abfallen würden, was wiederum die Qualität und Farbe seines Weines verschlechtere.


Ganz klar: Solche Aussagen haben mit Naturwissenschaft nichts zu tun. Bovis-Einheiten sind eine rein esoterische Erfindung ohne physikalische oder biologische Entsprechung. Die chemische Zusammensetzung, der Geschmack und die Farbe von Wein hängen von Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung, Niederschlag und der Arbeit im Keller ab, lassen sich jedoch keineswegs durch die Anwesenheit rotierender Turbinen in mehreren Kilometern Entfernung verändern.


Es bleibt das Fazit:


Der Ausbau der Erneuerbaren Energien bringt reale Zielkonflikte mit sich. Der Schutz lokaler Landschaftsbilder, Anwohnerinteressen, der Waldschutz und der Ausbau von Windkraftanlagen müssen im demokratischen Prozess sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Diese Debatte muss jedoch zwingend auf dem Boden wissenschaftlicher Tatsachen geführt werden. Wer wie die Protagonisten einschlägiger Dokumentarfilme mit frei erfundenen Zahlen über Abriebmengen, gefälschten Infraschallrechnungen, unterstellter Korruption und esoterischen Thesen Panik schürt, schadet nicht nur dem Klimaschutz, sondern untergräbt auch vorsätzlich das Vertrauen in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs.


Im gesamten Film ging man auf das Thema Klimaschutz und CO2-Reduktion gar nicht ein. Das größte globale Problem unserer Zeit blieb als weißer Elefant im Raum einfach stehen. Wenn überhaupt, dann wurde der Klimaschutz als Gegner des Artenschutzes benannt. Am Ende des Films wird er schließlich dann doch kurz erwähnt. Quasi als gottgegebenes Übel. Nicht als menschengemachtes Problem. Wer die Natur bewahren will, der kann dies nicht, ohne dieses Thema zu behandeln. Allein das zeigt, was dieser Film am Ende wirklich an Wert hat.









Referenzen

  1. Das Transscript des Filmes

  2. Synopse -Stellungnahmen der Bürgerinnen und Bürger - Landesplanung NRW, https://landesplanung.nrw.de/system/files/media/document/file/synopse_-stellungnahmen_der_buergerinnen_und_buerger_1.pdf

  3. Windenergie und Schall - Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/erneuerbare-energien/windenergie-und-schall

  4. Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall - Umweltbundesamt, https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/378/publikationen/texte_40_2014_machbarkeitsstudie_zu_wirkungen_von_infraschall.pdf

  5. Infraschall Studien zu Wirkungen auf Mensch und Tier Dokumentation - Deutscher Bundestag, https://www.bundestag.de/resource/blob/657038/05e0a36c803110ae446a7c04dc4e1f6a/WD-8-099-19-pdf-data.pdf

  6. Fakten gegen Fake - Martin Stümpfig, https://www.martin-stuempfig.de/klimaschutz/fakten-gegen-fake

  7. Windenergieanlagen: Rückbaupflicht und Haftung - Deutscher Bundestag, https://www.bundestag.de/resource/blob/1149802/WD-5-077-25.pdf

  8. 58. Änderung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde Hesel „Windenergie im, https://rathaus.hesel.de/uploads/press_release/files/635/2.%20Abw%C3%A4gung%20%C2%A7%203%20Abs.%201%20und%20%C2%A7%204%20Abs%20.1.pdf

  9. FAKTENCHECK WINDENERGIE - REW Untermain, https://www.rew-untermain.de/files/content/downloads/20250217_FaktencheckWindenergie_REW.pdf

  10. Grundsatzpapier Windkraftnutzung in Deutschland - Vernunftkraft.de, https://www.vernunftkraft.de/de/wp-content/uploads/2019/07/Grundsatzfragen-Windenergie.-Juli-2019.pdf

  11. Klartext zur Windenergie - KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH, https://www.kea-bw.de/fileadmin/user_upload/Erneuerbare_BW/Publikationen/Faktencheck_Windenergie_Layoutversion.pdf

  12. 1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen • Wie entwickeln sich die, https://enertrag.com/de/content/download/4187/file/Fragenkatalog%20Gemeindevertretung%20%28Februar%202026%29.pdf

  13. Betz'sches Gesetz - Luca Balla - Prezi, https://prezi.com/p/ifqlkefbtn0t/betzsches-gesetz/

  14. Wind Power Energy – Hochwertige Lösungen für Unternehmen | wlw, https://www.wlw.de/de/showroom/wind-power-energy/c-DE

  15. Was haltet ihr von den Segeltuchwindkraftanlagen?! - Kleinwindanlagen, https://www.kleinwindanlagen.de/Forum/cf3/topic.php?t=2821

  16. Fünf rechtliche Fallstricke beim Rückbau von Fundamenten - Erneuerbare Energien, https://www.erneuerbareenergien.de/technologie/onshore-wind/fuenf-rechtliche-fallstricke-beim-rueckbau-von-fundamenten

  17. Synopse der zweiten Anhörung zur Teilfortschreibung Windenergie, https://www.rvdi.de/fileadmin/Regionalplan/Beteiligung_2/Synopse-zweites-Beteiligungsverfahren-Windenergie.pdf

  18. Rückbauverpflichtung bei Windenergieanlagen - Bundesverband WindEnergie e.V., https://www.wind-energie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/hintergrundpapiere-oeffentlich/themen/Technik/20180611_bwe_hintergrundpapier_rueckbau.pdf

  19. Kurzinfo Rückbau von Windenergieanlagen - Fundamente - BUND Schleswig-Holstein, https://www.bund-sh.de/fileadmin/sh/Materialien/Flyer/2018-08-BUND-Kurzinfo_WEA-Fundamentrueckbau.pdf

  20. JA ZUM NATUR-VERTRÄGLICHEN AUSBAU DER WINDENERGIE, https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/Ja-zum-naturvertraeglichen-Ausbau-der-Windenergie-Juli-2026.pdf

  21. Faktencheck: Stadt Eppingen, https://www.eppingen.de/stadt/klimaschutz-in-eppingen/windkraft-in-eppingen/faktencheck

  22. PFAS - Bürgerrunde Haistergau, https://buergerrunde-haistergau.de/pfas

  23. Im Dialog zur Windkraft in Engelskirchen - ABO Energy, https://www.aboenergy.com/media/projekte/engelskirchen/Faktencheck_WP_Engelskirchen.pdf

  24. Antwort der Landesregierung auf die kleine Anfrage des, https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/dokument/101248/umweltbelastung_durch_windkraftanlagen_im_ilm_kreis_und_den_einsatz_problematischer_stoffe_speziell_auch_bei_neu_geplanten_anlagen.pdf

  25. Rückbau von Windenergieanlagen – eine rechtliche Einordnung - Fachagentur Wind und Solar, https://www.fachagentur-wind-solar.de/fileadmin/Veranstaltungen/2023/2023-11-08_Erfahrungsaustausch_Rueckbau_und_Recycling_von_Windenergieanlagen/FA_Wind_Rueckbau_und_Recycling_FA_Wind_08-11-2023.pdf

 
 
 

Kommentare


bottom of page