Please Enable JavaScript in your Browser to Visit this Site.

top of page

Infrastrukturaufwand, Rückbauverpflichtungen und echte (Horror) Kosten

Die wahre ökonomische Bilanz der Kernenergie in Deutschland



Eine Recherche

von Dirk Neubauer



Die Diskussion über die Rolle der Kernenergie im

deutschen Energiemix wurde über Jahrzehnte hinweg primär durch sicherheitstechnische und politische Argumente geprägt. Mit dem endgültigen Vollzug des Atomausstiegs am 15. April 2023 rücken nun verstärkt die ökonomischen und materiellen Hinterlassenschaften dieser Technologie in den Fokus der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Analyse.1 Ein Kernkraftwerk ist nicht nur ein hochkomplexes elektrotechnisches System, sondern auch eines der materialintensivsten Bauwerke der Moderne. Die Frage, wie viel Beton in diesen Anlagen gebunden ist, wie hoch die tatsächlichen Kosten für den Rückbau und die dauerhafte Verwahrung der hochradioaktiven Abfälle ausfallen und wer letztlich die finanzielle Verantwortung für diese Ewigkeitslasten trägt, erfordert eine detaillierte Untersuchung der physikalischen Basis sowie der regulatorischen und finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wir haben uns die Mühe gemacht: Dabei zeigt sich, dass die oft zitierten Stromgestehungskosten nur einen Bruchteil der tatsächlichen gesamtgesellschaftlichen Kosten abbilden. Eine ehrliche Umlegung aller Faktoren, von der staatlichen Forschungsförderung bis hin zum unversicherbaren Risiko eines nuklearen Katastrophenfalls, würde den Preis pro Kilowattstunde in Bereiche heben, die jede konventionelle Marktlogik sprengen.




Im direkten Vergleich kann man mit derselben Betonmenge eine AKW annähernd die selbe Leistung in Wind installieren. Nur das diese keinen ewigen Müll generieren, der unklare Kosten über 100tausende von Jahren nach sich zieht. Foto: KI




Die materielle Basis: Beton- und

Materialintensität kerntechnischer Anlagen


Die physische Präsenz eines Kernkraftwerks wird maßgeblich durch seine massiven Betonstrukturen bestimmt. Diese sind kein Zufall der Architektur, sondern eine direkte Folge der physikalischen Anforderungen an den Strahlenschutz und die strukturelle Integrität unter extremen Belastungsszenarien. Beton dient in kerntechnischen Anlagen als biologischer Schild, als statisches Fundament für schwerste Komponenten und als Barriere gegen äußere Einwirkungen wie Flugzeugabstürze oder Explosionsdruckwellen.


Materialmengen pro Leistungseinheit

Untersuchungen der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) liefern belastbare Durchschnittswerte für den Materialverbrauch beim Bau von Kernkraftwerken. Demnach werden pro Megawatt (MW) elektrischer Leistung im Durchschnitt etwa 124 Kubikmeter Beton benötigt.3 Ergänzt wird dieser Bedarf durch rund 1,15 Tonnen Kupfer pro MW für die elektrische Infrastruktur und Wicklungen.3 Bei einer typischen deutschen Großanlage der Konvoi-Klasse mit einer Nettoleistung von etwa 1.410 MW, wie Isar 2 oder Neckarwestheim 2, resultiert daraus ein theoretisches Betonvolumen von rund 174.840 Kubikmetern allein für die Kernanlage.4

Diese Massen sind im Vergleich zu anderen Energietechnologien beachtlich. Zwar ist die materielle Intensität pro installierter Leistungseinheit bei Windkraftanlagen – insbesondere bezogen auf Kupfer und Beton für die Fundamente – oft noch höher, doch weist die Kernenergie aufgrund ihrer hohen Auslegungslebensdauer von 60 Jahren und eines Kapazitätsfaktors von über 90 % eine spezifische Effizienz auf, die bei regenerativen Quellen aufgrund deren Volatilität und kürzerer Lebenszyklen (ca. 25 Jahre) anders bewertet werden muss.3 Dennoch bleibt das absolute Volumen gewaltig: Das Containment einer 1.300-MW-Anlage besitzt einen Innendurchmesser von etwa 56 Metern, wobei der umschließende Sicherheitsbehälter aus sphärisch gebogenen Einzelblechen besteht, die vor Ort verschweißt und anschließend von einer meterdicken Stahlbetonhülle geschützt werden.6


Struktur der Betonverwendung am

Beispiel Grafenrheinfeld und Isar 2

Die Verteilung der Betonmassen innerhalb eines Kraftwerksstandorts lässt sich am Beispiel der Bereitstellungshallen und Nebengebäude verdeutlichen. Für den Rohbau einer Bereitstellungshalle am Standort Grafenrheinfeld wurden beispielsweise ca. 7.700 Kubikmeter Beton und 1.700 Tonnen Stahl verbaut.7 Dies illustriert, dass bereits periphere Gebäude, die lediglich der Logistik und der Bereitstellung von Abfällen dienen, den Materialbedarf ganzer Wohnsiedlungen übersteigen. Bei Anlagen wie Isar 2 ist zudem die Bodenbeschaffenheit entscheidend für den Betonverbrauch: Da die Anlage auf quartären Ablagerungen der Isar errichtet wurde, musste das Gelände massiv aufgeschüttet und durch tiefgreifende Fundamentstrukturen in der Süßwassermolasse stabilisiert werden.8

Der in Kernkraftwerken verbaute Beton ist jedoch nicht homogen. Man unterscheidet zwischen gewöhnlichem Konstruktionsbeton und Schwerbeton (Barytbeton), der durch Beigabe von Bariumsulfat oder Eisenerz eine höhere Dichte aufweist, um Gammastrahlung effizienter zu absorbieren. Diese Materialwahl hat direkte Auswirkungen auf den späteren Rückbau, da aktivierter Beton – also Beton, in dem durch Neutronenbeschuss radioaktive Isotope wie Cobalt-60 oder Europium-152 entstanden sind – nicht wie herkömmlicher Bauschutt behandelt werden kann.


Der Rückbau: Technische Komplexität und finanzielle Dimensionen

Mit der Abschaltung der Anlagen beginnt ein Prozess, der oft länger dauert als die eigentliche Betriebsphase. Der Rückbau eines Kernkraftwerks ist keine konventionelle Abbruchmaßnahme, sondern eine hochgradig regulierte Zerlegung unter Strahlenschutzbedingungen.


Phasen und Zeitpläne der Stilllegung

Der Rückbau gliedert sich typischerweise in den Nachbetrieb, die Demontage der radioaktiven Komponenten und den konventionellen Abriss. Während die Systeme für ca. 10 bis 15 Jahre zurückgebaut werden, folgt danach die Dekontamination der Gebäudestrukturen.9 Das Ziel ist die "Freimessung", bei der nachgewiesen wird, dass die verbleibenden Materialien eine vernachlässigbare Radioaktivität aufweisen und somit in den regulären Wertstoffkreislauf gegeben werden können.9

Ein kritischer Faktor ist das radioaktive Inventar. Zu Beginn des Abbaus weist eine Anlage wie Isar 2 eine Gesamtaktivität von ca.  Becquerel (Bq) auf, wobei 99 % davon auf die Brennelemente entfallen.8 Sobald diese entfernt sind, sinkt das Inventar auf unter  Bq, was den eigentlichen Rückbau der Strukturen ermöglicht.8 Dennoch können Verzögerungen auftreten, wie das Beispiel des DDR-Kernkraftwerks Greifswald (Lubmin) zeigt: Dort wurde die Fertigstellung von 2028 auf mindestens 2045 verschoben, da die Strahlenbelastung in bestimmten Gebäudeteilen höher war als angenommen und Personalabbau sowie Mittelkürzungen den Fortschritt bremsten.10


Kostenkalkulation pro Reaktorblock

Die Kosten für den Rückbau eines einzelnen Reaktorblocks werden von den Betreibern und Behörden heute mit etwa 1 Milliarde Euro veranschlagt.9 Diese Summe deckt den Nachbetrieb, den Abbau und die Verpackung der Abfälle ab. Bei den sechs zuletzt betriebenen großen Meilern in Deutschland (u.a. Isar 2, Brokdorf, Emsland) rechnet man mit einer Spanne von drei bis sieben Milliarden Euro pro Standort für den gesamten Abwicklungsprozess, inklusive Reaktivierungssperren und Entschädigungen.13

Die finanzielle Vorsorge hierfür liegt in der Verantwortung der Energieversorgungsunternehmen (EVU). Zum 31. Dezember 2024 beliefen sich die Rückstellungen für die Abfallverarbeitung und den Abbau auf insgesamt 17,6 Milliarden Euro.14 Diese teilen sich wie folgt auf:

  • Nach- und Restbetrieb: 7,2 Milliarden Euro.

  • Abbauarbeiten: 4,6 Milliarden Euro.

  • Reststoffbearbeitung und Verpackung: 5,9 Milliarden Euro.14

Diese Rückstellungen verbleiben bei den Unternehmen und müssen so angelegt sein, dass sie zum Zeitpunkt des Bedarfs liquide zur Verfügung stehen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) überwacht diese Rückstellungen jährlich auf Basis des Transparenzgesetzes.15


Die Endlagerung: Ewigkeitslasten und der staatliche Entsorgungsfonds

Während der Rückbau bei den Betreibern verbleibt, wurde die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung im Jahr 2017 auf den Staat übertragen. Dies geschah auf Empfehlung der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK), um eine langfristige Sicherstellung der Mittel unabhängig vom wirtschaftlichen Schicksal der Konzerne zu gewährleisten.17


Der KENFO: Mechanismus und Status

Zur Finanzierung dieser Aufgaben zahlten die Betreiber der 25 deutschen Kernkraftwerke insgesamt 24,1 Milliarden Euro in den „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ (KENFO) ein.15 Diese Summe setzte sich aus einem Grundbetrag und einem Risikoaufschlag von 35,47 % zusammen, mit dem sich die Unternehmen von jeglicher Nachschusspflicht befreiten.17

Der KENFO investiert das Kapital global in Aktien, Anleihen und Sachwerte, um die bis zum Ende des Jahrhunderts anfallenden Entsorgungskosten zu erwirtschaften. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte der Fonds eine Rendite von 9,4 %, was deutlich über der langfristigen Zielrendite von 4,1 % lag.21

  • Stiftungsvermögen (Marktwert Ende 2024): ca. 24,8 Milliarden Euro.22

  • Bisherige Auszahlungen an den Bund: 4,47 Milliarden Euro seit 2017.20

  • Jährliche Erstattungen an den Bund: Im dreistelligen Millionenbereich (805 Mio. Euro im Jahr 2024).19



Material

Durchschnittlicher Bedarf pro MW

Gesamtbedarf (1.410 MW Anlage)

Beton

124 m³

174.840 m³

Kupfer

1,15 t

1.621,5 t

Stahl (Bewehrung)

Variabel (hoch)

ca. 20.000 - 40.000 t




Prognose der Entsorgungskosten bis 2100


Das Atomlager Asse zeigt, wie chaotisch und unbeherrschbar Atommüll ist. Bis heute ist unklar, wie dir Schäden dort zu beseitigen sind und was dies kosten wird. Bild: KI
Das Atomlager Asse zeigt, wie chaotisch und unbeherrschbar Atommüll ist. Bis heute ist unklar, wie dir Schäden dort zu beseitigen sind und was dies kosten wird. Bild: KI


Trotz der soliden Performance des KENFO sind die zukünft

igen Kosten mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Die Bundesregierung rechnet damit, dass allein die Zwischen- und Endlagerung bis zum Jahr 2100 rund 170 Milliarden Euro kosten wird.24 Diese gewaltige Summe resultiert aus der Notwendigkeit, Standorte für die Endlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle (wie Schacht Konrad) fertigzustellen und ein bisher nicht existierendes Endlager für hochradioaktiven Müll zu finden, zu bauen und über eine Million Jahre sicher zu betreiben.1

Das Endlager Konrad allein wird bisher mit Gesamtkosten von rund 7,5 Milliarden Euro kalkuliert.28 Für die hochradioaktiven Abfälle, die ca. 10.000 Tonnen Schwermetall umfassen, wurde in frühen Schätzungen ein Betrag von ca. 7,7 Milliarden Euro für Bau und Betrieb eines Endlagers veranschlagt – ein Wert, der angesichts der Verzögerungen im Standortauswahlverfahren und technischer Zusatzanforderungen als extrem optimistisch gilt.28 Zudem belasten "verlorene" Projekte wie das Endlager Morsleben (2,4 Mrd. Euro) und die Sanierung der Schachtanlage Asse II (geschätzte 5 Mrd. Euro allein für die Rückholung) den Staatshaushalt unmittelbar, da hier das Verursacherprinzip nur begrenzt greift.28


Die Kostenverteilung: Wer trägt die Lasten?

Die rechtliche Architektur der Atommüll-Finanzierung folgt einem hybriden Modell. Die Unternehmen tragen die unmittelbaren Kosten des Rückbaus, während der Staat die Langzeitrisiken der Lagerung übernimmt – finanziert durch die Einmalzahlung der Betreiber in den KENFO. Was ein Witz ist, denn diese Kosten sind nicht ansatzweise kalkulierbar. Klar ist also: Am Ende steht der Staat dafür ein. Also wir, unsere Kinder und eine Menge weitere Generationen.


Das Prinzip der Nachhaftung

Um zu verhindern, dass sich Konzerne durch Umstrukturierungen schon im Jetzt der Haftung entziehen (sogenannte "Bad Bank"-Szenarien), wurde das Nachhaftungsgesetz erlassen. Es stellt sicher, dass herrschende Unternehmen eines Konzerns ("Eltern") für die Rückbauverpflichtungen ihrer Tochtergesellschaften haften.30 Diese Haftung endet erst, wenn die radioaktiven Stoffe vollständig an den Staat übergeben wurden und die Endlager verschlossen sind.30 Kritiker sehen darin einen Eingriff in das Kapitalgesellschaftsrecht, da hierdurch Aktionäre und Muttergesellschaften über ihre Einlage hinaus in die Pflicht genommen werden können.33


Staatliche Beteiligung und versteckte Subventionen

Trotz der Betreiberzahlungen bleibt ein signifikanter Teil der Kosten beim Steuerzahler. Die Forschung zur Kernenergie wurde von 1955 bis 2022 mit nominal 112 Milliarden Euro (real 169 Mrd. Euro) direkt aus Bundesmitteln gefördert.34 Insgesamt summieren sich die staatlichen Förderungen – inklusive Steuervergünstigungen auf Rückstellungen und budgetunabhängige Vorteile – auf real ca. 287 Milliarden Euro.34

Ein besonderes Risiko stellt das "Zinsrisiko" dar. Sollten die Inflation oder die tatsächlichen Baukosten der Endlager schneller steigen als die Rendite des KENFO, müsste der Staat die Differenz aus Steuermitteln ausgleichen.34 Experten weisen darauf hin, dass bereits ab dem Jahr 2048 ein strukturelles Defizit entstehen könnte, wenn die Kosten für das verlängerte Standortsuchverfahren nicht ausreichend eingepreist sind.35



Verantwortungsbereich

Kostenträger

Finanzierungsinstrument

Stilllegung & Rückbau

Betreiber (EVU)

Private Rückstellungen (ca. 17,6 Mrd. € vorhanden)

Verpackung radioaktiver Abfälle

Betreiber (EVU)

Teil der privaten Rückstellungen

Zwischenlagerung

Staat

KENFO (Fondsvermögen ca. 24,8 Mrd. €)

Endlagersuche & Bau

Staat

KENFO & ggf. Bundeshaushalt

Sanierung Asse II / Morsleben

Staat

Steuergelder (da Altfälle)


Ökonomische Simulation:

Der "ehrliche" Strompreis


Die zentrale Frage für die Bewertung der Kernenergie ist die Höhe der Stromgestehungskosten (Levelized Cost of Electricity, LCOE), wenn alle externen und zukünftigen Kosten internalisiert würden. In der konventionellen Betriebswirtschaft galten abgeschriebene Kernkraftwerke lange als kostengünstig, da lediglich die variablen Betriebskosten anfielen. Diese Sichtweise ignoriert jedoch die systemischen Kosten.


Analyse der gesamtgesellschaftlichen Kosten

Studien des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) kommen zu dem Ergebnis, dass die Atomenergie über den gesamten Zeitraum ihrer Nutzung die teuerste Form der Stromerzeugung war.25

  • Historische Subventionen: Zwischen 1955 und 2022 betrugen die staatlichen Förderungen durchschnittlich 4,6 Cent pro kWh.34

  • Versteckte Kosten: Davon waren rund 2,4 Cent pro kWh nicht im Strompreis enthalten.34

  • Gesamtkosten (2007–2019): In diesem Zeitraum lagen die gesamtgesellschaftlichen Kosten (Marktwert + Subventionen + externe Kosten) durchschnittlich zwischen 25 und 39 Cent pro kWh.34

  • Vergleichswert: Windstrom lag im selben Zeitraum bei etwa 9 Cent pro kWh, Wasserstrom bei 8,9 Cent pro kWh.34


Die Rolle des nuklearen Risikos und der Versicherung

Ein entscheidender Faktor für die "Ehrlichkeit" der Kostenrechnung ist die Versicherungspflicht. Aktuell haften die Betreiber für nukleare Schäden nur bis zu einer gesetzlichen Deckungssumme von 2,5 Milliarden Euro.36 Der potenzielle Maximalschaden eines Super-GAUs in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland wird jedoch auf bis zu 6,09 Billionen Euro geschätzt.37

Wäre eine vollständige private Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben, müsste ein Kraftwerk jährliche Prämien in Höhe von 19,6 bis 72 Milliarden Euro aufwenden.36 Würden diese Kosten auf den erzeugten Strom umgelegt, ergäben sich – je nach Annahme der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Betrachtungszeitraums – dramatische Preissprünge:

  • Bei einer Bereitstellung über 100 Jahre: Erhöhung um 0,14 bis 2,36 Euro pro kWh.38

  • Bei einer Bereitstellung über 10 Jahre: Erhöhung um 3,96 bis 67,30 Euro pro kWh.38

Sogar vorsichtigere Schätzungen aus dem Jahr 2011 gingen davon aus, dass eine Kilowattstunde Atomstrom bei vollständiger Versicherung zwischen 15 und 20 Euro kosten müsste.40 Die Tatsache, dass Kernkraftwerke betrieben werden konnten, ist somit nur durch eine massive staatliche Risikoübernahme möglich gewesen, die ökonomisch einer massiven Subventionierung gleichkommt.


Vergleich der Stromgestehungskosten (LCOE) 2024/2025

Aktuelle Daten des Fraunhofer ISE und internationaler Berichte wie Lazard verdeutlichen, dass neue Kernkraftwerke auch ohne vollständige Internalisierung der Risiken nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Die Gestehungskosten für neue Anlagen in Europa liegen aufgrund von Bauzeitüberschreitungen (z.B. Olkiluoto 3: 18 Jahre Bauzeit, Kostensteigerung von 3 auf 11 Mrd. Euro) weit über denen von Erneuerbaren.13


Technologie

LCOE (Cent/kWh)

Bemerkung

Quelle

Photovoltaik (Freifläche)

3,12 – 11,01

Je nach Standort und Anlagentyp

41

Wind Onshore

3,94 – 8,29

Globaler Durchschnitt bei 3,4 Cent

41

Kernkraft (Neubau Europa)

12,5 – 49,0

Inkl. extremer Bauverzögerungen

24

Kernkraft (Abschreibung/Betrieb)

ca. 2,9

Reine Grenzkosten ohne Entsorgung

43

Kernkraft (Internalisiert)

25,0 – 39,0

Inkl. Subventionen und externer Kosten

34

Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Die Bilanz der Kernenergienutzung in Deutschland offenbart eine tiefe Kluft zwischen kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Erträgen und langfristigen volkswirtschaftlichen Lasten. In einem einzigen 1.400-MW-Kernkraftwerk stecken rund 175.000 Kubikmeter Beton, die nach Ende der Laufzeit als potenziell radioaktives Material mühsam und unter hohen Kosten von ca. einer Milliarde Euro pro Block zurückgebaut werden müssen.3


Während die Betreiber für diesen Rückbau Rückstellungen von 17,6 Milliarden Euro gebildet haben, liegt die Verantwortung für die Endlagerung der Brennstäbe nun beim Staat, unterstützt durch einen 24-Milliarden-Euro-Fonds (KENFO).14 Die tatsächlichen Kosten der Entsorgung bis zum Jahr 2100 werden jedoch auf 170 Milliarden Euro taxiert, was verdeutlicht, dass die staatliche Risikoübernahme weit über die Einlagen der Konzerne hinausgehen kann.24

Würden alle Kosten – die historischen Förderungen von über 287 Milliarden Euro, die realen Entsorgungsaufwendungen und die theoretischen Versicherungskosten für den Katastrophenfall – ehrlich auf den Strompreis umgelegt, wäre Kernkraft unbezahlbar. Anstatt der marktüblichen Cent-Beträge müsste eine Kilowattstunde Atomstrom unter Einbeziehung der Risikovorsorge mehrere Euro kosten.38 


Ohne diese Risiko-Internalisierung liegen die gesamtgesellschaftlichen Kosten bei etwa 25 bis 39 Cent pro kWh und damit um den Faktor drei bis vier über den Kosten für Wind- und Solarenergie.34 Die Kernenergie erweist sich damit in der Gesamtschau als eine Technologie, deren wirtschaftliche Rentabilität stets auf der Externalisierung von Risiken und Kosten auf die Allgemeinheit und zukünftige Generationen basierte.




Quellen.


  1. BASE - Ausstieg Atomkraft, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.base.bund.de/de/nukleare-sicherheit/atomausstieg/ausstieg-atomkraft/ausstieg-atomkraft_inhalt.html

  2. Kernenergie in Deutschland - KernD, Zugriff am Januar 28, 2026, https://kernd.de/de/kernenergie-in-deutschland/

  3. Ist die Betonmenge, die für ein Kraftwerk benötigt wird, zu schlecht fürs Klima? : r/nuclear, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.reddit.com/r/nuclear/comments/ry6dzs/is_the_amount_of_concrete_needed_for_a_power/?tl=de

  4. Kernkraftwerk Isar 2 | Portal Sicherheit in der Kerntechnik, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.nuklearesicherheit.de/kerntechnische-anlagen/deutschlandkarte/-kkw-in-deutschland/isar-2/

  5. Kernkraftwerk Isar - Nucleopedia, Zugriff am Januar 28, 2026, https://de.nucleopedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Isar

  6. Sicherheitsbehälter - Wikipedia, Zugriff am Januar 28, 2026, https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitsbeh%C3%A4lter

  7. Kernkraftwerk Grafenrheinfeld - PreussenElektra GmbH, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.preussenelektra.de/content/dam/revu-global/preussenelektra/documents/UnsereKraftwerke/Grafenrheinfeld/PEL_Standortbr_KKG_2019_rz_web.pdf

  8. Kernkraftwerk Isar 2 Stilllegung und Abbau Kurzbeschreibung - Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.stmuv.bayern.de/themen/reaktorsicherheit/stilllegung_abbau/doc/kki2%20kurzbeschreibung%20sag%202021_08_01.pdf

  9. FAQs zum Rückbau von Kernkraftwerken: | Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.stmuv.bayern.de/themen/reaktorsicherheit/stilllegung_abbau/faq.htm

  10. Mindestens 10 Milliarden Euro: Rückbau des Atomkraftwerks Lubmin kostet doppelt so viel wie geplant und dauert deutlich länger - IWR.de, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.iwr.de/news/mindestens-10-milliarden-euro-rueckbau-des-atomkraftwerks-lubmin-kostet-doppelt-so-viel-wie-geplant-und-dauert-deutlich-laenger-news39220

  11. Ob mit oder ohne Kernkraft: Teuer wird es auf jeden Fall, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.worldnuclearreport.org/Ob-mit-oder-ohne-Kernkraft-Teuer-wird-es-auf-jeden-Fall

  12. Atomkraft ist ein Milliardengrab | Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/atomkraft-ist-ein-milliardengrab/

  13. Atomenergie Deutschland: Zukunft oder Vergangenheit? - LBBW, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.lbbw.de/artikel/research-studien/kernkraft_aj4v437f4k_d.html

  14. Rückbau von Atomkraftwerken geht voran - Deutscher Bundestag, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1129524

  15. Rückbau-Rückstellungen Kernkraftwerke - BAFA, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bafa.de/DE/Wirtschaft/Handwerk_Industrie/Rueckbau_Rueckstellungen_Kernkraftwerke/rueckbau_rueckstellungen_kernkraftwerke_node.html

  16. Finanzierung des Kernenergieausstiegs | BMWE - bundeswirtschaftsministerium.de, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/kernenergie-stilllegung-rueckbau-kernkraftwerke.html

  17. Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung der kerntechnischen Entsorgung: Fakten & ergänzende Informationen - bundeswirtschaftsministerium.de, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Downloads/Gesetz/gesetz-zur-neuordnung-der-verantwortung-der-kerntechnischen-entsorgung-fakten-und-ergaenzende-informationen.pdf?__blob=publicationFile&v=12

  18. Finanzierung des Atomausstiegs - Bundestag billigt Pakt mit AKW-Betreibern, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.deutschlandfunk.de/finanzierung-des-atomausstiegs-bundestag-billigt-pakt-mit-100.html

  19. KENFO - Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.kenfo.de/start

  20. Kenfo erzielt 9,4% Rendite – und setzt weiter auf Aktien - private banking magazin, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.private-banking-magazin.de/kenfo-rendite-94-prozent-aktien-portfolio-jahresbericht/

  21. Pressemitteilungen / Pressetermine / Reden - Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.kenfo.de/presse/medien/pressemitteilungen

  22. GESCHÄFTSBERICHT 2024 - Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.kenfo.de/fileadmin/user_upload/geschaeftsberichte/kenfo_geschaeftsbericht_2024_digital.pdf

  23. KENFO erzielt 9,4% Rendite in 2024 - IPE Institutional Investment, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.institutional-investment.de/content/investor-news/kenfo-erzielt-94-rendite-in-2024.html

  24. Was würde es den Bund/die Bürger Deutschlands kosten, die bestehenden Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen und weiter laufen zu lassen? | Frage an Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) - Abgeordnetenwatch, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/julia-verlinden/fragen-antworten/was-wuerde-es-den-bund/die-buerger-deutschlands-kosten-die-bestehenden-kernkraftwerke-wieder-in-betrieb-zu

  25. Mehr Kosten als Nutzen: Drei Gründe, warum Atomkraft keine wirtschaftliche Alternative ist, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.enbw.com/unternehmen/themen/klimaschutz/kernkraft-kosten.html

  26. Atomkraft: Ist Atomstrom wirklich günstig? - Polarstern Energie, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/atomkraft-mythen/

  27. Markus Söders Energie-Mythen - Faktencheck Staatsregierung - Greenpeace, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.greenpeace.de/publikationen/Flyer_Mythen-Fakten.pdf

  28. Bericht über Kosten und Finanzierung der Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/abfallentsorgung_kosten_finanzierung_bf.pdf

  29. Programm für eine verantwortungsvolle und sichere Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle (Nationales Entsorgungsprogramm), Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bundesumweltministerium.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/nationales_entsorgungsprogramm_2025_entwurf_bf.pdf

  30. Gesetz zur Nachhaftung für Abbau- und Entsorgungskosten im Kernenergiebereich (Nachhaftungsgesetz), Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.gesetze-im-internet.de/nachhg/BJNR012700017.html

  31. Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren (Atomgesetz), Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.gesetze-im-internet.de/atg/BJNR008140959.html

  32. Verfassungsmäßigkeit der Nachhaftung im Atomrecht - Universität Speyer, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.uni-speyer.de/fileadmin/Ehemalige/Wieland/VerfassungsmaessigkeitderNachhaftungimAtomrecht10_17.pdf

  33. OEW: Verfassungsbeschwerde gegen Nachhaftungsgesetz - Landratsamt Bodenseekreis, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bodenseekreis.de/aktuelles/artikel/2017/12/oew-verfassungsbeschwerde-gegen-nachhaftungsgesetz/

  34. Gesellschaftliche Kosten der Atomenergie in Deutschland - Forum ..., Zugriff am Januar 28, 2026, https://foes.de/publikationen/2020/2020-09_FOES_Kosten_Atomenergie.pdf

  35. Kosten der Langzeit-Zwischenlagerung und verlängerten Standortsuche - Atommüllreport, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.atommuellreport.de/themen/detail/kosten-der-langzeit-zwischenlagerung-und-verlaengerten-standortsuche.html

  36. Wie teuer wäre eine Haftpflichtversicherung für ein Atomkraftwerk?, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/oekonomie/wie-teuer-waere-eine-haftpflichtversicherung-fuer-ein-atomkraftwerk-133710207

  37. Widerlegt: Deutschlands bekannteste Studie zur Versicherbarkeit von Kernkraftwerken, Zugriff am Januar 28, 2026, https://nuklearia.de/2022/04/30/widerlegt-deutschlands-bekannteste-studie-zur-versicherbarkeit-von-kernkraftwerken/

  38. Totalrevision der Kernenergiehaftpflichtverordnung: Vernehmlassungsantwort SP Schweiz, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.sp-ps.ch/sites/default/files/documents/13-31_kernenergiehaftpflichtverordnung_0.pdf

  39. Zu teuer und gefährlich: Atomkraft ist keine Option für eine klimafreundliche Energieversorgung - DIW Berlin, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.diw.de/de/diw_01.c.670481.de/publikationen/wochenberichte/30_2019/zu_teuer_und_gefaehrlich_atomkraft_ist_keine_option_fuer_eine_klimafreundliche_energieversorgung.html

  40. Greenpeace-Energy-Studie - Windstrom ist billiger als Kernenergie, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.tga-fachplaner.de/aktuelle-meldung/greenpeace-energy-studie-windstrom-ist-billiger-als-kernenergie

  41. Studie: Stromgestehungskosten erneuerbare Energien - Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2021_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf

  42. Renewable power generation costs in 2024 - IRENA, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.irena.org/-/media/Files/IRENA/Agency/Publication/2025/Jul/IRENA_TEC_RPGC_in_2024_2025.pdf

  43. Interne und externe Kosten der Stromerzeugung: Gestehungskosten, Umweltkosten und Subventionen konventioneller und erneuerbarer - Deutscher Bundestag, Zugriff am Januar 28, 2026, https://www.bundestag.de/resource/blob/926226/b0494e5467d05b6bd12ace95d91134f6/WD-5-123-22-pdf-data.pdf

 
 
 

Kommentare


bottom of page