Die grosse Batterielüge.

Bundespolitik verfolgt Lobbyinteressen? Undenkbar, oder? Leider nein. Seit Monaten wird der Ausbau von Batteriespeichern blockiert. In einem Zusammenspiel aus Lobby-PR, politischem Handeln und einem unseeligen und eigentlich illegalem Zusammenspiel von Netzbetreibern und Energiekonzernen. Eigentlich wurden die voneinander getrennt, um Konkurrenz im Netz möglich zu machen. Doch im richtigen Leben läuft das anders. Und so wird klar: Dass der Ausbau von Großbatteriespeichern (BESS) in Deutschland derzeit ausgebremst wirkt, liegt keineswegs nur an bürokratischen Verzögerungen oder Netzengpässen. Hinter den Kulissen spielen wirtschaftliche Interessenkonflikte, die Neuordnung der fossilen Kraftwerksstrategie und tiefsitzende Fehlanreize im Regulierungsrahmen eine entscheidende Rolle. Es geht um Milliarden. Die wir alle bezahlen.
Seit Monaten tobt ein Kampf um die Netze. Dabei wird alles bekämpft, was Sinn macht und im Bürgeinteresse ist. Und alles befördert, was die Marktoligopole schützt. Der Feind: Windkraft und Solar. Nun auch die Batteriesysteme. Der Freund: Das liebe Gas. Angeblich, so heißt es, wird mit diesem ganzen grünen Zeug nur viel Geld verdient. Auch und vor allem Mit Batteriespeichern. Dem Netz und der Versorgungssicherheit dienten diese Systeme nicht. Das ist offen gestanden nicht nur falsch. Es ist eine Kampagne.
Ja, auch grüne Investitionen verdienen Geld. Müssen diese auch, den nes sind Investitionen wie jede andere auch. Der Unterschied: Sie produziren den mit großem Abstand billigsten udn saubersten Strom. Und Batterien verbessern dies noch einmal erheblich. Denn sie springen ein, wenn dieser Strom gebraucht aber nicht ausreichend erzeugt wird.
Und: Nachweislich glätten schon jetzt Großbatterien erheblich die Preise. Im Durchschnitt schon jetzt um 9 Euro die Megawattstunde. Noch nicht viel. Aber, wie stehen auch erst am Anfang des Prozesses. Schreitet der Ausbau voran, wird der Effekt sehr viel größer werden.
Nun würde man sagen: Hey, dass ist doch das, was wir wollen.
Stimmt. Aber die Energieversorger wollen das nicht. Und um ihre Interessen und Märkte zu sichern, fahren sie Kampagnen, die Bürger:innen verunsichern sollen. Und sie beeinflussen Politik. Es geht um viele Milliarden, die Bundesministerin Reiche ins Schaufenster gestellt hat. Für Gaskraftwerke. Und damit für die Zukunftssicherung der Energiemonopole, die seit jeher im Land Preise diktieren und Geld für Shareholder erwirtschaften. Für die Energiesicherheit, so viel ist sicher, bräuchten wir weniger als die Hälfte der geplanten Gaskapazitäten. Und auch die wahrscheinlich nur temporär.
Der sicherste Weg, diese Interessen zu schützen, ist eine Blockade der Netzzugänge. Die Netze sollten eigentlich offen sein für Mitbewerber. Deshalb wurden Netze und Erzeugung rechtlich voneinander getrennt. Doch dies geschah zumeist nur auf dem Papier. Vom Traum der offenen Netze, den die EU aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wahr werden ließ, sind wir jedenfalls so weit weg, wie eine Kuh vom Kopfrechnen. Und so ist jede Beantragung für eine Anlage der Erneuerbaren eine Art Glücksspiel. Ewige Fristen, unverbindliche Zusagen, die sich schneller in Luft auflösen können, als der Antrag gestellt war. Und kaum überprüfbare Ablehnungen. Begründen muss hier keeiner ernsthaft was. Das Mantra: Wir müssen die Netze vor Überlastung schützen. Das aber ist eine billige Ausrede. Erneuerbare Anlagen sind regelbar. Man kann sie also vomn Netz nehmen. Nehmen wir Solar mal aus. Man kann diese bestens miteinander kombinieren und Netze doppelt ud sogar dreifach belegen. Auf dem Papier zumindest. Im richtigen Leben steuert man dann, welche Erzeugung produziert und welche pausiert. Batterien spielen dabei keine Rolle. Denn diese speichern ein, wenn zu viel Strom da ist und geben ab, wenn er gebraucht wird. Sie sind netzdienlich, denn sie schützen das Netz vor Schwankungen und Überlastungen und sie glätten die Preise. Sie schließen Lücken, die durch Dunkelheit, Windstille oder Spitzenlast entstehen.
Und genau das macht sie zum Feind!
Wenn Strom aus Erneuerbaren da ist, verdrängt er den teuren Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken. Diese Konzernbesitztümer aber sollen ja Geld verdienen. Was sie nicht tun, wenn andere Quellen günstiger sind. Die Rentabilität neuer Gaskraftwerke wäre damit schwerst gefährdet. Und man könnte sich dann fragen: Warum brauchen wir diese eigentlich. In Gefahr damit auch der riesige, für Stillstand weiter bezahlte, längst abgeschriebene Kraftwerksbestand der Energieriesen. Hier werden ebenfalls Milliarden bewegt, um diese Kapazitäten für die Momente vorzuhalten, wo zu wenig Strom da ist. Und wenn diese Momente weniger werden, was durch Batterieausbau der Fall ist, werden diese Unsummen hinterfragt werden. Und natürlich alles, was neu gebaut werden soll.
Um das zu verhindern, laufen die fossil finanzierten Kampagnenmaschinen auf Hochtouren. Und die Lobbysisten im Bundestag die feinen Schuhsohlen ab.

Und so einfach ist die Sachlage:
1. Die Kraftwerksstrategie und die Verdrängung fossiler Kraftwerke
Ein zentraler Grund für die Bremswirkung liegt im Konflikt zwischen Großbatteriespeichern und der staatlich geplanten Kraftwerksstrategie.
Konkurrenz um den Flexibilitätsmarkt: Batterien verdrängen in Stunden hoher Nachfrage teure fossile Gaskraftwerke aus der Merit-Order und glätten die Preisspitzen am Spotmarkt. Die Kraftwerke laufen weniger und verdienen somit kein Geld. Zwar sinkt der Strompreis. Das aber ist nicht Ziel der Betreiber. Also können Natteriesysteme nicht gewollt sein.
Milliardenschwere Subventionsinteressen: Die Bundesregierung plant Kapazitätsmechanismen und Subventionen für neue Wasserstoff- und Gaskraftwerke, um die Grundlast abzusichern. Etablierte Energiekonzerne und fossile Lobbyverbände versuchen gezielt, sich staatliche Kapazitätszahlungen für diese Gaskraftwerke zu sichern. Es geht um viele Milliarden direkt. Und langfristig um die Sicherung des Energiemonopols. Das können Energiekonzerne nicht gut finden, verlieren sie doch die letzte Meile zum Kunden an Andere Anbieter, wenn immer mehr dezentrale Energie billig angeboten wird.
Die Folge:
Die Gefahr von „Stranded Assets“: Wenn Batterien bereits heute einen Großteil der kurz- bis mittelfristigen Flexibilität (Tages- und Stundenausgleich) kostengünstig abdecken, sinkt die Auslastung und Rentabilität neu geplanter Gaskraftwerke drastisch. Experten warnen davor, dass durch einseitige Subventionen für fossile Backup-Kapazitäten die wirtschaftlich überlegene Speichertechnologie zurückgedrängt wird.
2. Fehlanreize bei Netzbetreibern und Konzerneigeninteressen
Auch die Rolle der Stromnetzbetreiber offenbart erhebliche Strukturprobleme und verdeckte Eigeneffekte:
Interessenkonflikte integrierter Konzerne: Viele Verteil- und Übertragungsnetzbetreiber gehören zu großen Energiekonzernen, die zeitgleich eigene Erzeugungskapazitäten betreiben oder selbst Speicherprojekte entwickeln. Unabhängige Projektierer berichten von Verfahren, bei denen Netzanschlüsse für freie Speicher verweigert oder extrem verzögert werden, während eigene Tochtergesellschaften bevorzugt Kapazitäten erhalten. Ich selber kennen Fälle, in denen ein und derselne Mitarbeitende für beide Seiten arbeitet. Für den Konzern (Mailadresse 1) und den angeblich unabhängigen Netzbetreiber (Mailadresse 2). Man sitzt im selben Hsus. Oft in den gleichen Büros. Ein Schlem, wer Böses unterstellt.
Kein finanzieller Druck beim Redispatch: Wenn Strom aus Erneuerbaren wegen Netzengpässen abgeregelt werden muss (Redispatch), entstehen Milliardenkosten. Da die Netzbetreiber diese Redispatch-Kosten sowie die Entschädigungen an die Erzeuger direkt über die Netzentgelte auf die Endkunden umlegen können, entsteht für sie kein direkter wirtschaftlicher Schaden durch das Fehlen lokaler Speicher. Sie haben somit wenig monetären Anreiz, fremde Großspeicher rasch zur Engpassbehebung ins Netz zu integrieren.
3. Zerstörung der Erlöse konventioneller Spitzenlast-Anbieter
In unregulierten Flexibilitäts- und Regelleistungsmärkten wirken Batterien als Preiskiller für traditionelle Anbieter:
Bruch von Preis-Oligopolen: Vor dem Masseneinsatz von Batterien nutzten einige wenige Betreiber flexibler Gaskraftwerke ihre Marktmacht in Spitzenzeiten gezielt aus, um extreme Höchstpreise durchzusetzen. Batteriespeicher mit ihren Reaktionszeiten im Millisekundenbereich unterbieten diese Kraftwerke systematisch.
Wie Erfahrungen aus anderen Märkten zeigen, brechen Batterien diese oligopolistischen Strukturen auf und senken die Erlöse konventioneller Peaker-Kraftwerke drastisch.
4. Das Argument der „Dunkelflaute“ als Vorwand
Verfechter neuer Gaskraftwerke verweisen offiziell meist auf die sogenannte Dunkelflaute – also mehrtägige Phasen im Winter ohne Wind und Sonne.
Lithium-Ionen-Großspeicher sind primär darauf ausgelegt, Energie über 2 bis 8 Stunden zu verschieben, nicht über 5 bis 7 Tage.
Branchenbeobachter und Wissenschaftler betonen jedoch, dass diese Notwendigkeit langfristiger Reserven oft vorgeschoben wird, um Regulierungshürden (wie die Erhebung von Baukostenzuschüssen oder die Streichung von Netzentgeltbefreiungen) auch für die alltägliche Kurzfristspeicherung aufrechtzuerhalten und damit den Speicherausbau insgesamt auszubremsen.
Zusammenfassung
Die Behinderung der BESS-Systeme ist somit ein Resultat aus ordnungspolitischem Protektionismus für bestehende und geplante Gasinfrastrukturen, den Einflussmöglichkeiten etablierter Energiekonzerne sowie einem Regulierungsrahmen, der Netzbetreibern wenig Anreize bietet, unabhängige Speicher schnell und unbürokratisch an ihr Netz anzuschließen.





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