Die Lüge vom bösen Infraschall
- Dirk Neubauer

- 12. Aug.
- 8 Min. Lesezeit
Kaum ein "Argument" zieht beim Kampf gegen die Erneuerbaren mehr, als das der Schädlichkeit des Infraschalls, den solche Anlagen erzeugen. Warum das so ist? Ganz einfach. Keiner kann kontrollieren, was da von den Propheten des grünen Weltuntergangs herbeigebetet wird. Man kann es nicht hören, nicht schmecken. Und die Wissenschaft, die das Ganze inzwischen mehrfach in geprüften Studien und Untersuchungen belegt und die Befürchtungen eindeutigst widerlegt hat, zählt in Kreisen des Antiwindkraft-Widerstandes nicht. Dennoch bleibt wahr, was wahr ist: Der Infraschall von Windkraftanlagen ist nachgewiesen absollut ungefährlich. Und im üblichen Abstand zu Wohnbebauungen nichtmehr wahrnehmbar. Kaum ein Bereich der Debatte sagt mehr über die Art und Weise der Antiwindkraftdebatte, als dieser. Von Unsachlichkeit, wissenschaftlich fundierter Lage und teils absurder Realitätsverdrängung.
von Dirk Neubauer

Fahren Sie Auto? Ja? Fahren Sie damit auch mal 100? Ja? Dann sind Sie quasi schwerst lebensgefährdet. Warum? Weil bei diesem Tempo in einem Auto der Schalldruck um einen 316faches höher ist, als dieser im Nahbereich einer Windkraftanlage zu spüren wäre. Bei der Schallintensität ist es das bis zu 100.000fache. Öffnet einer der Mitreisenden in diesen heißen Tagen noch gedankenlos ein Fenster nur einen Spalt breit, explodiert dieser Wert auf das Millionenfache.
Ausgewertete Messdaten (u. a. der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und der Universität Bayreuth) zeigen, dass Insassen bei einer mehrstündigen Autofahrt derselben Infraschall-Energie ausgesetzt sind wie nach jahrzehntelangem Daueraufenthalt im absoluten Nahbereich einer Windkraftanlage.

Der Vergleich im Bild: Im Auto sind wir dem Infraschall 100.000fach mehr ausgesetzt. Eine mehrstündige Autofahrt ist schädlicher, als ein jahrzehntelanger Aufenthalt im Nahbereich einer WKA. (Bild KI erzeugt)
Was hier sehr transparant macht, wie absurd die Dabatte um den Schall der Windkraft eigentlich ist, löst bei überzeugten Windkraftgegnern einen Schwall von Pseudoargumenten und. nicht selten Wut aus. Und endet eigentlich immer mit der Erklärung welche "Meinung", die man von "Wissenschaft" hat. Und das man angesicht der eigenen Überzeugung, dass diese eigentlich nichts taugt, lieber bei der Meinung bkleibt, die man sich irgendwie zusammengeklickt hat. Aus irgendwelchen, meist ungeprüften Quellen. Geschrieben oder gesprochen von Irgendwem. Aus dem Lande Irgendwo. Zumindest, wenn man wissenschaftliche Regeln bezüglich Autorenschaft, Quelle und Nachvollziehbarkeit dafür zu Grud elegen würde. Würde es nur eine wirklich nach wissenschaftlichen Standards erstellte Studie geben, die ein reales Schadenpotential durch Infraschall von WKA belegen würde. Wir hätten die gegenteilige "Meinung" und die Wissenschaft wäre das höchste Gut.
Doch die seriöse Forschung ist vorerst sicher vor derartiger Umarmung. Denn es gibt keine solche Studie. Jedenfalls keine, die die strengen, wissenschaftlichen Standards erfüllt, die für eine Studie definert sind.
Und das ist, was entscheidend ist.
Nicht für Umsonst gibt es strenge Prozedere, die eine Studie durchlaufen muss, bevor diese sich überhaupt "wissenschaftlich" nennen darf. Das sichert die Glaubwürdigkeit und die Substanz der Forschung. Und trennt diese von sonstigen Meinungsbeiträgen, die im Vergleich dazu alles behaupten können und nichts wirklich prüfbar belegen müssen.
Wissen versus Meinung.
Im Fall des Windes ist die Lage eindeutig. Weltweit gibt es nach verschiedenen Rechercheständen ca. 100 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema "Infraschall von Windkraftanlagen". Keine davon belegt auch nur ansatzweise das, was Antiwindkraftkampagnen Land auf, Land ab behaupten. Die Wahrheit ist: Im Abstand von 750 Metern ist der Infraschall einer WKA vom Waldesrauschen nicht zu unterscheiden. In 1000 Metern können wir - so sehr wir uns auch anstrengen - von all dem nichts mehr empfangen. Nichts.
Fakt ist: Der Streit bleibt. (Und wird politisch benutzt. Dazu aber später mehr.) Die gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall, der durch Windkraftanlagen emittiert wird, bilden seit Jahrzehnten einen zentralen Streitpunkt in der energiepolitischen und umweltmedizinischen Debatte. Infraschall bezeichnet Schallwellen im Frequenzbereich unterhalb von 20 Hz. Obwohl dieser Frequenzbereich vom menschlichen Gehör erst bei sehr hohen Schalldruckpegeln wahrgenommen werden kann, steht die Frage im Raum, ob auch unhörbare tieffrequente Druckpulsationen physiologische Schäden oder chronische Erkrankungen hervorrufen können.
Diese wissenschaftliche Untersuchung bietet eine systematische Bestandsaufnahme der weltweiten Studienlage. Sie erfasst die Existenz wissenschaftlicher Arbeiten quantitativ, ordnet die Befunde inhaltlich ein und nimmt eine methodische Evaluierung der zugrundeliegenden Forschungsdesign vor.
Um die Anzahl der wissenschaftlichen Studien zur Schädlichkeit von Infraschall durch Windkraftanlagen präzise zu beziffern, ist eine methodisch strenge Differenzierung zwischen peer-reviewter Fachliteratur, behördlichen Synthesen und nicht wissenschaftlich begutachteter Grauliteratur erforderlich.
In wissenschaftlichen Datenbanken existiert ein klar abgegrenzter Korpus an Primärstudien und sekundären Übersichtsarbeiten. Umfassende systematische Scoping-Reviews zur Erfassung der weltweiten Literatur identifizierten insgesamt 84 primäre wissenschaftliche Arbeiten, die sich spezifisch mit potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraftanlagen in Wohngebieten auseinandersetzen.
Kontinuierliche Literatur-Updates im Auftrag internationaler Umwelt- und Gesundheitsschutzbehörden (wie des Schweizer Bundesamts für Umwelt BAFU und des niederländischen RIVM) analysierten für den Zeitraum von 2009 bis 2020 über 34 empirische Beobachtungs- und Experimentalforschungen sowie 10 systematische Reviews und 45 neuere Fachartikel. Zusammen mit eigenständigen Labor- und Feldstudien umfasst der Kernbereich der wissenschaftlich publizierten Primär- und Sekundärliteratur weltweit also die schon genannte Zahl von etwa 100 einschlägige Arbeiten.
Demgegenüber stehen Verzeichnisse von Anti-Windkraft-Initiativen, die Sammlungen von über 480 Dokumenten als Belege für gesundheitliche Beeinträchtigungen anführen. Bei genauerer Analyse zeigt sich jedoch, dass der überwiegende Teil dieser Sammlungen aus nicht-begutachteten Leserbriefen, Zeitungsartikeln, privaten Fallbeschreibungen, Konferenzbeiträgen oder juristischen Eingaben besteht, die keine wissenschaftlichen Qualitätsstandards erfüllen.
Gegenwärtig kommen über 95 % der in peer-reviewten Fachjournalen veröffentlichten Arbeiten sowie 100 % der von internationalen Gesundheitsbehörden beauftragten Expertengremien zu dem Ergebnis, dass von Infraschall im Umfeld von Windkraftanlagen keine direkten physiologischen Schäden ausgehen. Lediglich eine kleine Gruppe einzelner Autoren – umfassend weniger als zehn Primärforscher – vertritt Publikationen oder Hypothesen, die eine direkte gesundheitsschädliche Wirkung behaupten.
Das ist der Unterschied.
Beispiele zeigen, wie klar die Ergebnisse belegt sind. Um physiologische Wirkungen frei von psychologischen Erwartungshaltungen zu untersuchen, wurden beiuspielsweise so genannte "doppelblinde Interventionsstudien" durchgeführt. Eine wirklich wegweisende Untersuchung stellt beispielsweise die vom finnischen Staat geförderte Studie des VTT Technical Research Centre in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheit und Wohlfahrt (THL) dar.
Über 308 Tage wurden Infraschallsignale in der Nähe von Windparks aufgezeichnet. In anschließenden Hörexperimenten wurden Versuchspersonen – unterteilt in Anwohner mit selbstberichteten Infraschallsymptomen und symptomfreie Kontrollpersonen – echten Infraschallsignalen (102 dB Spitzenpegel) sowie stummen Schein-Expositionen ausgesetzt. Die Probanden beider Gruppen waren nicht in der Lage, das Vorhandensein von Infraschall statistisch signifikant zu erkennen. Zudem zeigten sich keinerlei Veränderungen der autonomen Nervenfunktionen wie Herzfrequenz, Herzratenvariabilität oder Hautleitfähigkeit.
Ergänzend untersuchte eine randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie die Auswirkungen einer 72-stündigen Dauerbestrahlung mit simulierte WKA-Infraschall (90 dB pk) auf den menschlichen Schlaf und die Gehirnaktivität. Weder bei der primären Zielgröße – der Wachzeit nach dem Einschlafen (WASO) – noch bei sekundären Parametern wie der Schlafarchitektur im EEG, kardiovaskulären Werten oder Stimmungsprofilen zeigten sich Abweichungen zwischen Infraschall- und Schein-Exposition. Eine systematische Meta-Analyse aller verfügbaren Studien mit objektiven Schlafmaßen (Polysomnographie und Aktigraphie) bestätigte, dass Windkraftgeräusche keine signifikanten physiologischen Schlafstörungen verursachen.
Zu deutsch: Placebo-Gruppe und real beschallte Gruppe blieben absolut unbeeinflust und gesund. Im ersten Fall reagierten selbst Menschen, die von sich behaupten, Windkraftanlagen würden sie beeinflussen, auf eine reale Beschallung im Labor NICHT.
Was heisst das? Dass die meisten Menschen zwischen Belästigung und wirklichen Belastungen für die physische Gesundheit nicht unterscheiden können. Und das die Psyche und das persönliche Störgefühl die eigentliche Handlungsebene ist. Denn: Diese gefühlte Belästigung in Teilen der Anwohnerschaft ist empirisch nachgewiesen. Doch durch die oben benannten Studien wissen wir, dass diese nicht in ursächlichem Zusammenhang mit Infraschall stehen. Sie wird primär statt dessen durch hörbare Geräuschkomponenten (> 40 dBA), visuelle Aspekte (Schattenwurf, Landschaftsveränderung), die persönliche Einstellung zur Windenergie sowie die ökonomische Beteiligung generiert. Das ist etwas ganz anderes. Warum? Weil diese Themen tatsächlichn real prüfbar für Menschen sind. Und obendrein in den Genehmigungsverfahren geprüft werden. So wird Schattenwurf inzwischen in der Regel durch behördlich verfügte Abschaltzeiten verhindert. Reale Geräuschbelastung wird geprüft und kann - wie wir es erst kürzlich erlebten - zum Rückbau einer solchen, nachweislich störenden Anlage führen. Auch Infraschallbelastunge können geprüft werden. Aber hierbei sieht man am Ende kein Ergebnis. Nur einen Messwert. Und den kann man anzweifeln.
Dass die Psyche eine wirklich sehr große Rolle spielt, zeigt auch der Umstand, dass Personen, die finanziell von Windkraftanlagen profitieren, trotz identischer oder höherer Schallexposition von signifikant weniger Belästigung berichten, als jene, die nicht teilhaben können. Die experimentelle Forschung zur Psychoakustik demonstriert zudem, dass allein die Vermittlung von Fehlinformationen über angebliche Infraschallgefahren bei Probanden typische Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen kann – unabhängig davon, ob tatsächlich Infraschall oder eine Schein-Exposition vorlag. Dieser Nocebo-Effekt erklärt die Entstehung real empfundener Symptome ohne physikalische Ursache.
Und genau das ist der Punkt, an dem Politik ins Spiel kommt. Der Infraschall, die "nicht hörbare Bedrohung" aus der "linksgrünen" Energiewende, eignet sich hervorragend, um als politisches Instrument benutzt zu werden. Und so ziehen meist extreme Parteien damit über Land. Nicht, um Menschen "zu retten". Nein. Um aus deren Angst Zustimmung für die eigene Partei zu generieren. Parteien wie die selbsternannte Alternative, die ausschließlich aus Unmut gebaut sind, profitieren von der Angst der Menschen. Die die etablierte Politik hat entstehen lassen hat. Indem sie selbst versäumte, zu informieren und zu beteiligen. Die Leidtragenden sind jene, die heute wütend zu Felde ziehen. Und die nur benutzt werden, um politische Ziele Anderer zu ermöglichen. Die Energiewende ist nicht das eigentliche Problem. Aber sie eignet sich auf Grund ihrer Hochwissenschaftlichkeit hervorragend als Projektionsfläche für aufgestaute Wut und Angst.
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