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Wie Windräder den Stadtwald retten und die Stadt entlasten könnte...

...wenn diese es wöllte.


Der Stadtrat der Stadt Plauen hat gegen ein Windkraftprojekt gestimmt, das im Stadtwald hätte entstehen können. Man wolle keine gesunden Bäume dafür fällen, hieß es. Doch stimmt das? Eher nicht. Der Wald ist in einem kritischen Zustand. Die Stadt ist der Pleite nahe. Wie die meisten Kommunen. Beides hätte man durch das Projekt nachhaltig ändern können, wie diese Recherche zeigt. Dass der Stadtrat dennoch dagegen stimmte, ist symptomatisch für den Osten Deutschlands. Die Abwehr der Erneuerbaren wendet sich gegen jeden Sinn und jeden Fakt. Es ist Ideologie. Und: Dabei spielen Egoismen, die Angst vor der Wählerschaft und die ums eigene Mandat eine bestimmende Rolle. Was auf der Strecke bleibt, ist die Zukunft der kommenden Generationen, der Wald, den man vorgibt retten zu wollen und der Klimaschutz.


Eine faktische Betrachtung der Lage.



von Dirk Neubauer



Eigentlich war es eine Chance. Für die Stadt Plauen im Vogtland. Erneuerbare Energien. In Form von Windrädern im vom Trockenheit und Borkenkäfer geschädigten Stadtwald. Mit einem erheblichen finanziellen Vorteil für die Stadt, die derzeit in ihrem Haushalt ein Millionenloch zu beklagen hat. Ein Projekt, das mit den Einnahmepotentialen den städtische Haushalt entlasten und zudem den offenbar nötigen Waldumbau hätte ermöglichen können.


Ein Geschenk, würde man meinen. Doch der Stadtrat sah dies anders. Er lehnte ab. Man wolle keine gesunden Bäume für Windräder fällen. Angesichts der Fakten ein wohl eher vorgeschobenes Argument. Wir haben uns mit dem Sachverhalt beschäftigt und recherchiert. Das Ergebnis spricht eine andere Sprache. Vorab: Es geht hierbei nicht darum, eine demokratisch getroffene Entscheidung zu kritisieren. Auch kennen wir nicht alle Details. Was wir herausgefunden haben lässt aber zumindest Zweifel aufkommen, ob diese Entscheidung wirklich durch die Begründung gedeckt ist. Zudem haben wir uns diesen aktuellen Fall vorgenommen, weil dieser exemplarisch steht. Für ein Mindset und eine falsche, zukunftsfeindliche Entwicklung im Osten Deutschlands.


Eine Entwicklung, die uns der Zukunftschancen beraubt. In einem Moment, der entscheidend ist. Denn wenn wir jetzt den Wandel nicht anstoßen, werden wie dauerhaft den Anschluss verlieren.





Die vorliegende Recherche liefert eine umfassende, multidimensionale Sicht auf

die aktuelle ökologische und ökonomische Verfasstheit der Stadt Plauen. Das ist wichtig, denn es macht die Fragen sichtbar, die durch die Ablehnung aufgeworfen werden. Vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise und der kommunalen Finanznot analysiert der Bericht die Zusammenhänge. Jene zwischen dem kranken Stadtwald, der strukturellen Defizitlage im städtischen Doppelhaushalt 2025/2026 und der ungenutzten Chance an beidem etwas zu ändern. Durch die Windenergieerzeugung auf forstwirtschaftlichen Flächen.


Die Ergebnisse der Untersuchung zeichnen das Bild einer Kommune, die sich in

einer doppelten Transformationskrise befindet. Und dennoch diese Chance nicht nutzt. Unter der fadenscheinigen Begründung, man solle den Wald schützen. Der aber ist ökologisch insbesondere in den fichtendominierten Beständen, durch die Dürrejahre 2018 bis 2020 und nachfolgende Borkenkäferkalamitäten massiv geschädigt. Die Vitalitätsdaten des Waldzustandsberichts 2025 belegen, dass biotische und abiotische Schadursachen die forstwirtschaftliche Ertragsfähigkeit mindern und den Waldumbau zu einer kostenintensiven Generationenaufgabe machen. Zu deutsch. Der Wald braucht Hilfe.


Und die ist nicht in Sicht, denn: Fiskalisch agiert die Stadt Plauen an der Belastungsgrenze. Der genehmigte Doppelhaushalt 2025/2026 weist strukturelle Defizite im Ergebnishaushalt aus, die nur durch den Verzehr von Rücklagen auszugleichen sind. Die Liquiditätsreserven drohen laut Prognose der Kämmerei bis 2029 vollständig aufgebraucht zu sein. Die Investitionstätigkeit ist hochgradig fremdfinanziert und fördermittelabhängig, was die finanzielle Autonomie der Kommune langfristig einschränkt. Zu deutsch. Die Stadt ist quasie pleite. Wie die meisten Kommunen in Sachsen.


In diesem Spannungsfeld wäre die Windkraftnutzung im Stadtwald als strategischen Hebel zur Haushaltskonsolidierung. Die Modellierung eines Windparks mit vier modernen Schwachwindanlagen (6 MW-Klasse) prognostiziert jährliche Einnahmen für die Stadtkasse im Bereich von 0,7 bis 0,8 Millionen Euro. Diese setzen sich aus Pachterlösen, der Kommunalabgabe nach § 6 EEG und Gewerbesteueranteilen zusammen. Ein solcher Zufluss könnte bis zu 25 % des strukturellen Defizits im laufenden Verwaltungsgeschäft decken und gleichzeitig Mittel für den ökologischen Waldumbau freisetzen.


Warum also stimmt ein Stadtrat gegen eine solche Chance?


Man kann nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Kommunalpolitik vor dem gesellschaftlichen Mindset in die Knie gegangen ist. So, wie es in Ostdeutschland derzeit flächendeckend passiert. Dabei ist die Kommunalpolitik nur das letzte Glied in der Kette des Versagens. Eigentlich beginnt das Problem auf der Bundesebene. Bereits hier wird die Energiewende zu Gunsten der Gas -und Öllobby gerade aufgegeben. Die Landespolitik in Sachsen übernimmt diese Richtungsvorgabe dankbar. Die Energiewende wurde von Ministerpräsident Kretschmer mit schöner Regelmäßigkeit totgesagt und als grüne Ideologie diffamiert. Das hört der Stammtisch gern. Das weiß Kretschmer. Dort sitzen die Wählenden der konservativen Fraktion. Und die sind hart umkämpft. Auch die AxD wildert hier mit dem Claim von den "Windrädern der Schande". Statt dem entgegen zu treten und eine positive Zukunftsvision zu entwickeln. Eine von günstiger Energie, Klimaschutz und Kommunalfinanzierung zum Beispiel. Stattdessen übernimmt Kretschmer die Narrative der Rechtsaußen. In der Hoffnung, Stimmen zu gewinnen, erfolgt hier klar Verrat an der Zukunft. Und an Wahrheit und Wissenschaft. Denn es werden Fakten negiert, verdrängt und weggeredet. Und das hört der veränderungsmüde Ostdeutsche gern. Es muss ja irgendwann auch mal Schluss sein mit diesem stetigen Wandel. Klimaschutz ist Unsinn. Windräder braucht keiner. "Das sagt auch der Ministerpräsident", hört man immer häufiger, wenn man auf der anderen Seite steht. Vom Klimawandel wollen wir da gar nicht erst anfangen. Das ist hier schon lange kein Thema mehr. Dem Angesprochenen freilig bringt sein Tun nichts. Seine CDU verliert. Die AxD gewinnt. Auch das ist leider wahr. Wer das alles glaubt, der wählt das Original. Nicht die Fälschung.


Die Kommunalpolitik, die eine positive Vorgabe so dringend bräuchte, bleibt im Spannungsfeld mit den Bürger:innen allein. Und auch hier gilt: Ein Mandat ist besser als kein Mandat. Und wenn es keine Linie im Land gibt, auf die man sich berufen kann. Wenn es keine belastbare Strategie gibt, auf die man aufbauen kann. Wenn es keine Argumentationskette für den Wandel gibt. Dann stellt man sich als Kommunalpolitiker auch nicht gegen diesen Trend. Es ist eine Art Kollektiversagen des gesamten politischen Raums.


Kommunale Handlungsfähigkeit


Dabei wäre es so wichtig, sich den Problemen zu stellen. Die deutschen Kommunen stehen im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts vor einer historischen Zäsur. Sie sind nicht mehr nur Administratoren der Daseinsvorsorge, sondern müssen als lokale Akteure globale Krisenphänomene bewältigen. Die Stadt Plauen, als Oberzentrum des sächsischen Vogtlandes, zeigt diese Herausforderung in besonderer Weise. Gelegen in einer Region, die traditionell durch industrielle Transformation und demographischen Wandel geprägt ist, sieht sich die Stadtverwaltung nun mit den direkten Auswirkungen des anthropogenen, also menschengemachten Klimawandels konfrontiert.


Diese Auswirkungen sind nicht abstrakt, sondern manifestieren sich konkret in der physischen Substanz des städtischen Eigentums – dem Stadtwald – und in den fiskalischen Spielräumen des städtischen Haushalts. Dürreperioden, Starkregenereignisse und Schädlingskalamitäten entwerten das forstwirtschaftliche Vermögen und erzwingen Investitionen in Klimaanpassungsmaßnahmen, während gleichzeitig stagnierende Steuereinnahmen und steigende Sozialausgaben die kommunalen Kassen belasten. Die entscheidende Frage lautet:


Inwieweit kann die ökonomische Inwertsetzung des Waldes durch Windenergieanlagen zur finanziellen Resilienz der Stadt Plauen beitragen, ohne die ökologischen Funktionen des Waldes irreversibel zu schädigen?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir tiefer in das Thema einsteigen. Un die folgenden Punkte klären.


  1. Status-Quo-Analyse Wald: Wie ist der tatsächliche Gesundheitszustand des Stadtwaldes Plauen im Licht der aktuellen Datenlage 2024/2025? Welche Schäden sind zu verzeichnen, und welche forstwirtschaftlichen Konsequenzen ergeben sich daraus?


  2. Status-Quo-Analyse Finanzen: Wie stellt sich die Haushaltssituation der Stadt Plauen im Planungszeitraum 2025/2026 dar? Wo liegen die strukturellen Defizite, wie hoch ist die Verschuldung, und welche Prognose besteht für die Liquidität?


  3. Szenario-Modellierung Windenergie: Welches monetäre Potential bietet die Errichtung eines Windparks auf städtischem Grund unter den aktuellen Bedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023/2025) und der spezifischen Windhöffigkeit des Vogtlandes?


Methodik und Datenbasis


Die Analyse basiert auf einer Auswertung amtlicher Dokumente, darunter der genehmigte Doppelhaushalt 2025/2026 der Stadt Plauen, Berichte des Sächsischen Rechnungshofes, Waldzustandsberichte des Freistaats Sachsen und Nordrhein-Westfalens (als Vergleichsreferenz für überregionale Trends) sowie fachtechnische Daten zur Windenergienutzung. Die methodische Vorgehensweise folgt den Prinzipien der kommunalen Doppik (doppische Buchführung) für die Finanzanalyse und den Standards der forstlichen Standortskartierung für die Waldanalyse. Für die Windenergieberechnung wird ein deterministisches Ertragsmodell unter Berücksichtigung konservativer Volllaststundenannahmen für Binnenlandstandorte angewendet.


Der Stadtwald Plauen im Klimastress


Der Wald im Vogtland ist traditionell ein Wirtschaftswald, geprägt durch die Fichte, die aufgrund ihrer Wuchsleistung lange als "Brotbaum" der Forstwirtschaft galt. Diese Monokultur-Strategie, die über Jahrhunderte Erträge sicherte, erweist sich unter den veränderten klimatischen Bedingungen als Achillesferse des Ökosystems.


Um den aktuellen Zustand des Plauener Stadtwaldes zu verstehen, ist es notwendig, die Ereigniskette der letzten acht Jahre zu rekonstruieren. Der Waldzustand im Jahr 2025 ist nicht das Ergebnis eines einzelnen Jahres, sondern die kumulierte Folge einer Stressperiode, die 2017 begann. Die Herbst- und Winterstürme "Herwart" (Oktober 2017) und "Friederike" (Januar 2018) trafen das Vogtland mit voller Wucht.1 In den Fichtenbeständen führten diese Orkane zu massivem Wurf und Bruch. Mechanisch geschädigte Bestände, deren Kronendach aufgerissen ist, sind mikroklimatisch instabil. Der Waldboden erwärmt sich stärker, die Verdunstung steigt, und das verbleibende Totholz bietet idealen Brutraum für Rindenbrüter. In Plauen waren besonders die Bereiche entlang der Seumestraße und der Pfaffengutstraße betroffen, wo sich Bestände in der Folgezeit auflösten.1


Auf die Stürme folgte eine historische Trockenperiode. Die Jahre 2018, 2019 und 2020 waren in Sachsen durch extrem unterdurchschnittliche Niederschläge während der Vegetationsperiode gekennzeichnet. Für die Fichte, einen Flachwurzler, ist dies fatal.


  • Physiologischer Mechanismus: Bei Wassermangel schließt der Baum die Spaltöffnungen (Stomata), um Verdunstung zu vermeiden. Dadurch stoppt die Photosynthese und somit auch die Produktion von Kohlenhydraten. Diese Kohlenhydrate sind jedoch notwendig, um Terpene und Harze zu synthetisieren – die einzigen chemischen und mechanischen Abwehrstoffe gegen den Borkenkäfer.


  • Folge: Die Bäume standen "wehrlos" im Wald. Der Buchdrucker konnte selbst vitale Bäume erfolgreich besiedeln, da diese nicht mehr "harzen" konnten. Dies führte zu einer exponentiellen Vermehrung der Käferpopulation.



Obwohl die Jahre 2023 und 2024 niederschlagsreicher waren, zeigt der

Waldzustandsbericht 2025 für Sachsen keine nachhaltige Trendwende, sondern eher eine Stagnation auf schlechtem Niveau.2 Bäume reagieren mit Verzögerung auf Stress. Ein Baum, der 2019 Wurzelhaarverluste erlitt, zeigt oft erst 2024 oder 2025 Vitalitätsverluste in der Krone. Im Durchschnitt aller Baumarten sind in Sachsen nur noch 35 % der Bäume ohne sichtbare Schäden.2 Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zwei Drittel des Waldes vitalitätsgeschwächt sind. Die Krise betrifft nicht alle Arten gleichermaßen, was für die künftige Planung des Stadtwaldes Plauen entscheidend ist.


Die Fichte ist der Verlierer des Klimawandels im Vogtland. Ganze Bestände sind ausgefallen oder stark aufgelichtet. Die "Auflösung" der Bestände an der Seumestraße ist symptomatisch.1 Hier mussten aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht massive Eingriffe erfolgen. Die Feuerwehr musste mehrfach ausrücken, um Straßen von umstürzenden Bäumen zu befreien – ein Beleg dafür, dass die Bestände ihre statische Integrität verloren haben. Der Anfall von sso genanntem Käferholz zwingt zu ungeplanten Hieben ("Zwangsnutzung"). Dies überschwemmt den Markt, drückt die Holzpreise und lässt Kahlflächen zurück, die kostenintensiv wiederaufgeforstet werden müssen.


Auch die Kiefer, oft als anspruchsloser auf sandigen Böden angesehen, zeigt Schwächen. Der Nadelverlust liegt 2025 bei durchschnittlich 23,8 %.3 Nur 14 % der Kiefern sind ohne Kronenschäden. 58 % gelten als schwach geschädigt (Warnstufe) und 28 % als deutlich geschädigt.3 Dies deutet darauf hin, dass auch die Kiefer im Vogtland an ihre physiologischen Grenzen stößt, bedingt durch Schädlinge wie den Blauen Kiefernprachtkäfer und Diplodia-Triebsterben.


Besonders alarmierend ist der Zustand der Eiche. Sie galt lange als Hoffnungsträger für den Waldumbau, da sie tiefer wurzelt und toleranter gegen Trockenheit ist. Die Daten des Waldzustandsberichts 2025 widerlegen diese Hoffnung teilweise: 74 % der Eichen gelten als deutlich geschädigt.3 Die mittlere Kronenverlichtung liegt bei 38,5 %. Dies ist auf den Eichenfraßgesellschaften (Schwammspinner, Eichenprozessionsspinner) und den Eichensplintkäfer zurückzuführen, die die durch Dürre geschwächten Bäume befallen. Für den Stadtwald Plauen bedeutet dies, dass auch der Umbau hin zu Eichenmischwäldern kein Selbstläufer ist und hohe Ausfallrisiken birgt.


Die Buche zeigt komplexe Schadbilder (Kronenverlichtung, Sonnenbrand an der Rinde bei freigestellten Beständen). Bei den "sonstigen Laubbäumen" (z.B. Birke) konnte eine leichte Verbesserung des mittleren Blattverlustes auf 23,4 % registriert werden 2, was die Pionierbaumarten als wichtige Stabilisatoren in der Übergangsphase ausweist.


Forstliche Planung ohen Zuversicht


Die Stadt Plauen reagiert auf diese ökologische Krise mit einer Neuausrichtung ihrer forstlichen Planung. Der Rhythmus der Forstwirtschaft wird durch die sogenannte Forsteinrichtung bestimmt – ein zehnjähriges operatives Planungsinstrument.


  • Inventur 2024: Im Jahr 2024 wurde eine umfassende Inventur des Stadtwaldes als Stichprobenaufnahme durchgeführt.4 Diese Inventur liefert die exakten Daten über Vorrat (Holzmasse), Zuwachs und Schäden. Sie ist die Basis für das neue "Betriebsgutachten".


  • Planungsperiode 2026–2035: Am 21. August 2024 begannen die Arbeiten für die neue Forsteinrichtung.4 Acht Referendare sind bis Ende 2025 eingesetzt, um die waldbauliche Planung zu erstellen.


  • Wirtschaftsplan: Interessanterweise kalkuliert der Forstliche Wirtschaftsplan für 2026 mit einem Überschuss.4 Dies mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen (kaputter Wald = Gewinn?), ist aber in der Forstökonomie typisch für Kalamitätsphasen: Der Überschuss resultiert aus der Liquidierung von Biomasse. Das Schadholz muss geerntet und verkauft werden. Es handelt sich also nicht um einen Gewinn aus nachhaltigem Zuwachs (Zinsen), sondern um einen Substanzverzehr (Kapital). Langfristig fehlen diese Bestände für zukünftige Ernten.


Der Stadtwald Plauen befindet sich also in einer kritischen Phase der Destabilisierung. Die Ertragskraft aus klassischer Holznutzung wird mittelfristig sinken, da die hiebsreifen Bestände durch Kalamitäten vorzeitig genutzt werden müssen und die Wiederaufforstungsflächen erst in Jahrzehnten Erträge liefern. Der Wald wird vom "Profit Center" zum "Cost Center".


Plauen im Doppelhaushalt 2025/2026


Die ökologische Krise des Waldes trifft auf eine kommunale Finanzsituation, die durch strukturelle Ungleichgewichte gekennzeichnet ist. Die Analyse der Haushaltsdaten für den Doppelhaushalt 2025/2026 offenbart, dass die Stadt Plauen ihre finanzielle Handlungsfähigkeit nur unter größten Anstrengungen und durch den Rückgriff auf Reserven aufrechterhalten kann. Der Stadtrat beschloss am 17. Dezember 2024 den Doppelhaushalt, der im April 2025 durch das Landratsamt Vogtlandkreis genehmigt wurde.5 Die Genehmigung ist jedoch kein Persilschein; sie bestätigt lediglich die Gesetzmäßigkeit, weist aber in der Begründung auf massive Risiken hin.


Das strukturelle Defizit


Der Ergebnishaushalt bildet den Ressourcenverbrauch der laufenden Verwaltungstätigkeit ab (ähnlich der Gewinn- und Verlustrechnung in der Privatwirtschaft). Für das Jahr 2025 stehen Aufwendungen von rund 188 Millionen Euro Erträgen von knapp 184 Millionen Euro gegenüber.6 Dies ergibt einen rechnerischen Fehlbetrag von ca. 4 Millionen Euro im Jahr 2025.6

Ein Defizit im Ergebnishaushalt bedeutet, dass die Stadt den Werteverzehr (Abschreibungen auf Straßen, Gebäude, etc.) nicht erwirtschaftet. Sie lebt von der Substanz. Die jährlichen Einzahlungen reichen laut Landratsamt "nur nahezu zur Finanzierung der laufenden Aufgabenerfüllung aus".5


Finanzhaushalt und Liquidität


Noch kritischer als der buchhalterische Verlust ist die Liquiditätslage (Cashflow).

Um den Haushalt auszugleichen, muss Plauen auf die "Rücklagen aus Überschüssen der Vorjahre" zugreifen.7 Diese Rücklagen fungieren als Puffer. Die Stadtkämmerin Peggy Hein prognostiziert, dass das Geldvermögen der Stadt nach aktuellem Stand im Jahr 2029 vollständig aufgebraucht sein wird.5 Ab diesem Zeitpunkt bestünde kein finanzieller Spielraum mehr. Für die Tilgung bestehender Kredite reicht der operative Cashflow nicht aus. Es besteht das "Erfordernis nach Ersatzdeckungsmitteln".5 Das bedeutet faktisch: Die Stadt muss Vermögen umschichten oder neue Schulden aufnehmen, um alte zu tilgen – eine Spirale, die langfristig in die Haushaltskonsolidierung führt.


Investitionen und Verschuldung


Trotz der prekären Lage investiert die Stadt massiv, getrieben durch Sanierungsstaus und Förderprogramme. Für 2025 sind ca. 40 Millionen Euro Investitionen geplant.6 23 Millionen Euro (ca. 57,5 %) kommen von Bund und Land. Dies zeigt die hohe Abhängigkeit von externen Zuschüssen. Die Rechtsaufsicht genehmigte neue Investitionskredite in Höhe von 3,3 Millionen Euro für 2025 und 3,5 Millionen Euro für 2026.5 Rechnerisch ergibt sich aus der Lücke von 40 Mio. (Invest) minus 23 Mio. (Förderung) ein Eigenmittelbedarf von 17 Mio. Euro, der teilweise aus Krediten und teilweise aus dem noch vorhandenen Kassenbestand gedeckt wird. Die Mittel fließen fast ausschließlich in Pflichtaufgaben und Infrastruktur:

  • Neue Elsterbrücke: Ersatzneubau, Fertigstellung 2026.5

  • Feuerwehrhaus Straßberg-Neundorf: Neubau, Fertigstellung 2026.

  • SportForum Vogtland: Eröffnung 2025.


Die Verschuldung sinkt leicht von 916 Euro (Anfang 2023) auf prognostizierte 857 Euro (Ende 2027) pro Einwohner.8 Dies ist jedoch nur eine relative Verbesserung und beruht teilweise auf Tilgungen, die aus der Substanz (Rücklage) finanziert werden, nicht aus Überschüssen.


Der "Konzern Stadt" und die Tochtergesellschaften


Die finanzielle Analyse wäre unvollständig ohne den Blick auf die städtischen Beteiligungen. Der Sächsische Rechnungshof warnt explizit vor den latenten Risiken im Beteiligungsportfolio der Stadt Plauen.9 Die Stadt muss erhebliche Mittel an ihre Töchter transferieren, um deren Betrieb zu sichern.


  • Bäder Plauen GmbH: Betreibt Schwimmhalle und Freibäder. Diese sind klassische Zuschussbetriebe.


  • Plauener Straßenbahn (PSB): Erhält ca. 3,2 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss p.a..6


  • Theater: Wird mit ca. 3,9 Millionen Euro p.a. bezuschusst.6


  • Teilhaushalt 6: Der Bereich Jugend, Soziales, Schule und Sport (inkl. Bäder-Zuschüsse) verschlingt netto 52 Millionen Euro.6



Da Plauen als Kommune der Kategorie D (instabile Haushaltslage) eingestuft wird 9, stehen diese "freiwilligen Leistungen" unter ständigem Rechtfertigungsdruck. Sollte die Liquidität 2029 tatsächlich aufgebraucht sein, wären diese Zuschüsse die ersten Streichungskandidaten, was zu Schließungen (Bäder, Theater) oder Taktverdünnungen (Tram) führen würde.


Zwischenfazit Finanzen: Die Stadt Plauen befindet sich in einer strukturellen Schieflage. Sie kann ihre laufenden Kosten kaum decken und investiert nur dank massiver Förderung. Die Reserven, die als Puffer dienen, schmelzen ab. Es fehlt an einer signifikanten, eigenständigen Einnahmequelle, die das strukturelle Defizit von ca. 4 Mio. Euro dauerhaft kompensieren könnte.


Windenergie als ökonomischer Hebel


Vor dem Hintergrund der in Kapitel 3 dargelegten Finanznot (Defizit ~4 Mio. €) und des in Kapitel 2 beschriebenen Waldzustandes (Kalamitätsflächen) erscheint die Nutzung der Windenergie als eine der wenigen realistischen Optionen, um neue, externe Einnahmequellen zu erschließen.


Das folgende Szenario modelliert die ökonomischen Effekte eines hypothetischen Windparks im Stadtwald Plauen. Zehn Anlagen mit jeweils 6 MW werden hier angenommen. Erträge, Beteiligung nach EEG und Pacht summieren sich dabei erheblich. Addiert man die drei Komponenten, ergibt sich folgendes jährliches Einnahmepotential für die Stadt Plauen:


Einnahmekomponente

Berechnungsgrundlage

Betrag pro Jahr (ca.)

1. Pacht

10 % vom Stromerlös (Städtischer Grund)

480.000 €

2. EEG-Abgabe (§ 6)

0,2 ct/kWh (Akzeptanzabgabe)

140.000 €

3. Gewerbesteuer

90 % Zerlegungsanteil (Durchschnittswert)

100.000€

GESAMT


720.000 €

Einordnung:


Diese 0,72 Millionen Euro sind "neues Geld". Geld, das sich in 20 Jahren auf immerhin 14,4 Millionen Euro summieren und das nicht auf die restlichen Zuweisungen angerechnet werden würde.


14,4 Millionen. Freies Geld. Abgewählt .


Die Zusammenführung der ökologischen und ökonomischen Analysen zeigt, dass die Stadt Plauen vor einer strategischen Entscheidung steht, die weit über reine Energiepolitik und Geschmacksfragen hinausgeht. Der Zustand des Stadtwaldes erfordert Investitionen (Wiederaufforstung, Waldumbau), die der aktuelle Haushalt kaum leisten kann. Der WSald ist eben nicht gesund und munter. ERbraucht Investitionen. Die sie Stadt sich eigentlich nicht leisten kann. Gleichzeitig bietet genau dieser geschädigte Wald nun das Potential für die Windenergienutzung. Die Einnahmen aus dem Windpark könnten teilweise zweckgebunden werden, um den Waldumbau auf den restlichen Flächen zu finanzieren. Der Windpark würde so zum "Sponsor" des Klimawalds. Un dauch der Stadt selbst. Und würde man sich dem Potential zuwenden, man könnte sicherlich mehr tun, als nur vier Windkraftanlagen zu errichten.


Fazit und Empfehlung


Die Stadt Plauen befindet sich in einer Zangenbewegung aus ökologischem Substanzverlust und fiskalischer Auszehrung. Das "Weiter-so" – also das Stopfen von Haushaltslöchern durch Rücklagen und das Hoffen auf bessere Zeiten – ist angesichts des prognostizierten Liquiditätsverzehrs bis 2029 keine tragfähige Strategie mehr. Ein Windparkprojekt im Stadtwald mit einem Erlöspotential von 14 Millionen Euro in 20 Jahren stellt eine der wenigen verfügbaren Optionen dar, um die Einnahmeseite des Haushalts strukturell zu stärken, ohne die Bürger durch Steuererhöhungen (Grundsteuer/Gewerbesteuer) zu belasten.




Referenzen


  1. Stürme und Borkenkäfer setzen Bäumen zu - Stadt Plauen, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Presse-und-Mitteilungen/Pressemitteilungen/St%C3%BCrme-und-Borkenk%C3%A4fer-setzen-B%C3%A4umen-zu-.php?ModID=255&FID=3317.20912.1

  2. Waldzustand - Wald, Forstwirtschaft, Jagd - sachsen.de, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.wald.sachsen.de/waldzustand-4840.html

  3. Waldzustandsbericht 2025, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.l-iz.de/wp-content/uploads/2025/12/SMUL_Brosch_re_Waldzustandsbericht_2025_barrierefrei.pdf

  4. Forstlicher Wirtschaftsplan 2026 mit kalkuliertem Überschuss und Ausblick auf neue Forsteinrichtung - Stadt Plauen, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Presse-und-Mitteilungen/Pressemitteilungen/Forstlicher-Wirtschaftsplan-2026-mit-kalkuliertem-%C3%9Cberschuss-und-Ausblick-auf-neue-Forsteinrichtung.php?ModID=255&FID=3317.40550.1

  5. Plauener Doppelhaushalt für 2025/2026 genehmigt, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Presse-und-Mitteilungen/Pressemitteilungen/Plauener-Doppelhaushalt-f%C3%BCr-2025-2026-genehmigt.php?ModID=255&FID=3317.37959.1

  6. FAQ zum Haushalt / Stadt Plauen, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/haushalt

  7. Landratsamt genehmigt Doppelhaushalt 2023/2024 - Stadt Plauen, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Presse-und-Mitteilungen/Pressemitteilungen/Landratsamt-genehmigt-Doppelhaushalt-2023-2024-.php?ModID=255&FID=3317.29530.1

  8. Haushalt 2023 beschlossen - Stadt Plauen, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Presse-und-Mitteilungen/Plauener-Stadtnachrichten/Haushalt-2023-beschlossen.php?ModID=255&FID=3317.28828.1

  9. Jahresbericht 2023 - Band II - Sächsischer Rechnungshof, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.rechnungshof.sachsen.de/JB_23_2_Gesamtdatei.pdf

  10. Betätigung der Stadt Plauen bei Unternehmen in Privatrechtsform und Prüfung ausgewählter Unternehmen - Sächsischer Rechnungshof, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.rechnungshof.sachsen.de/JB_23_2_38_Btg_Stadt_Plauen.pdf

  11. Ariadne-Report - Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045, Zugriff am Januar 14, 2026, https://ariadneprojekt.de/media/2021/10/Ariadne_Szenarienreport_Oktober2021_Kapitel5_ErneuerbareEnergien.pdf

  12. Stromfluss, Kapazitätsfaktoren, Volllaststunden - YouTube, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.youtube.com/watch?v=EI4xV3k7Vnw

  13. Wind an Land: Gebotstermin 1. August 2025 - Bundesnetzagentur, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Wind_Onshore/BeendeteAusschreibungen/2025/GT1082025/artikel.html

  14. Festlegung des Höchstwerts für die Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land im Jahr 2025 | Clearingstelle EEG|KWKG, Zugriff am Januar 14, 2026, https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/beschluss/7022

 
 
 

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